Bundesministerin Wanka stellt Weichen für die Zukunft der digitalen Bildung mit DigitalPakt#D

Den digitalen Wandel in der Bildung vorantreiben – das ist das Ziel der „Bildungsoffensive für die digitale Wissensgesellschaft“, die Bundesbildungsministerin Johanna Wanka letzte Woche anlässlich des 10. Nationalen IT-Gipfels in Berlin vorgestellt hat. Die Strategie des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) soll Chancen und Handlungsfelder aufzeigen, die der digitale Wandel für alle Bildungsbereiche von der frühkindlichen Bildung über Schule, berufliche Bildung und Hochschule bis zur Weiterbildung bietet.

„Zu guter Bildung im 21. Jahrhundert gehören IT-Kenntnisse und der souveräne Umgang mit der Technik und den Risiken digitaler Kommunikation, ebenso wie das Lernen mittels der vielen neuen Möglichkeiten digitaler Medien. Deutschland muss diese Chancen viel stärker nutzen als bisher. Wir müssen bei der digitaler Bildung einen großen Sprung nach vorn machen. Diese Entwicklung wird das Bundesbildungsministerium mit seiner neuen Strategie vorantreiben und mitgestalten“, sagte Wanka. „Zentral für den Erfolg digitaler Bildung ist die Pädagogik – digitale Technik muss guter Bildung dienen, nicht umgekehrt.“

DigitalPakt#D im Detail

Um die Schulen in Deutschland flächendeckend in die Lage zu versetzen, digitale Bildung zu vermitteln, schlägt das BMBF einen DigitalPakt#D mit den Ländern vor. Das BMBF bietet demnach an, über einen Zeitraum von fünf Jahren mit rund fünf Milliarden Euro die rund 40.000 Grundschulen, weiterführenden allgemeinbildenden Schulen und Berufsschulen in Deutschland mit digitaler Ausstattung wie Breitbandanbindung, W-LAN und Geräten zu versorgen. Im Gegenzug sollen sich die Länder verpflichten, die entsprechenden pädagogischen Konzepte, die Aus- und Fortbildung von Lehrerinnen und Lehrern sowie gemeinsame technische Standards umzusetzen. Die Grundlage für eine solche Vereinbarung ist Artikel 91c des Grundgesetzes, der die Zusammenarbeit von Bund und Ländern im Bereich der Informationstechnik ermöglicht.

„Digitale Bildung zu realisieren ist eine entscheidende Zukunftsaufgabe, für die Bund und Länder gemeinsam Verantwortung tragen. Mit dem DigitalPakt#D liegt ein konkreter Vorschlag des BMBF auf dem Tisch, der die Schulen schnell, umfassend und pragmatisch mit den richtigen Werkzeugen für die digitale Bildung ausstatten kann. Eine langwierige Grundgesetzänderung ist dafür nicht notwendig, wir können die bestehenden Möglichkeiten im Sinne guter Bildung nutzen“, sagte Wanka.

Darüber hinaus sieht die Bildungsoffensive für die digitale Wissensgesellschaft insbesondere diese Maßnahmen des BMBF vor:

Die Bildungsoffensive ist kein Selbstzweck für digitale Medien

Damit jeder digitale Medien verantwortungsbewusst nutzen kann, bedarf es einer spezifischen „Digitalen Bildung“. Hierbei gilt: Der Einsatz digitaler Medien ist kein Selbstzweck. Sie sind immer nur ein Mittel, um leichter, besser und erfolgreicher zu lernen. Das Ziel digitaler Bildung ist deshalb im Kern kein anderes als das von Bildung allgemein: Sie soll Menschen befähigen, sich als selbstbestimmte Persönlichkeiten in einer sich beständig verändernden Gesellschaft zurechtzufinden und verantwortungsvoll ihre eigenen Lebensentwürfe zu verfolgen.

Mit der Strategie „Bildungsoffensive für die digitale Wissensgesellschaft“ fördert das Bundesbildungsministerium die Vermittlung digitaler Kompetenz und das Lernen mit digitalen Medien. Entlang von fünf Handlungsfeldern werden die Potenziale digitaler Bildung systematisch und für alle Bildungsbereiche erschlossen.

Um diesen Prozess zu begleiten, ist es notwendig, gesichertes Wissen über Erfolgsfaktoren und Nutzen digitaler Bildung zu gewinnen. Deshalb hat das BMBF die Forschung zur digitalen Bildung erheblich ausgeweitet: Digitale Bildung wird einer der Schwerpunkte des neuen Rahmenprogramms zur Bildungsforschung sein. Schon heute untersucht das BMBF im  Forschungsfeld „Digitale Hochschullehre“, wie nutzbringende digital gestützte Lehre an den Hochschulen aussehen kann. Das Deutsche Internet-Institut wird zudem ab 2017 breit und interdisziplinär zur Digitalisierung forschen; ein Themenfeld wird der Bereich „Bildung und Kompetenzen“ sein.

Neun von zehn Deutschen wollen mehr Digitalbildung in der Schule

Laut einer repräsentativen Umfrage des BMBF sehen Bürgerinnen und Bürger in Deutschland den Einsatz digitaler Technologien in der Bildung überwiegend positiv. Mehr noch: Sie wünschen sich, dass ein grundlegendes Verständnis digitaler Technologien in Zukunft fester Bestandteil in der Schul- und Berufsbildung ist. Dieser Aussage stimmten 86 Prozent der Bürgerinnen und Bürger zu, die im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung vom Meinungsforschungsinstitut Emnid befragt wurden.

Dem BMBF-„ZukunftsMonitor“ zufolge meinen außerdem 79 Prozent der Befragten, dass der verstärkte Einsatz digitaler Technologien in der Bildung unabdingbar ist, um für die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts gewappnet zu sein. 72 Prozent sagen, dies mache unsere Gesellschaft auch innovationsfähiger. 67 Prozent der Befragten gaben an, mit digitalen Technologien in der Bildung mehr Chancen als Risiken zu verbinden, 22 Prozent stimmten dieser Aussage nicht zu.

„Lehren, Lernen und Leben in der digitalen Welt“ ist Thema des dritten BMBF-Bürgerdialogs „ZukunftsForum“. Bis zum Sommer 2017 führt das BMBF zu verschiedenen Zukunftsthemen jeweils eine repräsentative Befragung („ZukunftsMonitor“), einen Workshop mit Bürgerinnen und Bürgern sowie Experten aus der Wissenschaft („ZukunftsTag“) sowie einen Bürgerdialog mit der Hausleitung des Ministeriums („ZukunftsNacht“) durch. Die nächste „ZukunftsNacht“ mit Staatssekretärin Cornelia Quennet-Thielen findet am 24. Oktober statt. Die Ergebnisse berücksichtigt das BMBF bei der Entwicklung langfristiger Innovationsstrategien sowie in der Forschungs- und Projektförderung.

„Digitale Technologien verändern nicht nur unseren Alltag, sondern bergen enormes Potenzial für die Bildung. So helfen digitale Medien zum Beispiel dabei, das Lernen noch stärker an unsere individuellen Bedürfnisse und Talente anzupassen. Der ZukunftsMonitor zeigt, dass Bürgerinnen und Bürger klar die Chancen der Digitalisierung sehen. Die Umfrage macht aber auch Skepsis deutlich, so fürchten zwei Drittel der Befragten bei zunehmender Digitalisierung etwa negative Auswirkungen auf unsere Sozialkompetenzen. Über diese Fragen möchten wir mit Bildungsexperten sowie Bürgerinnen und Bürgern ins Gespräch kommen“, sagte Bundesbildungsministerin Johanna Wanka mit Blick auf den aktuellen BMBF-Bürgerdialog.

Laut dem „ZukunftsMonitor“ erwartet eine große Mehrheit vom Einsatz digitaler Technologien in der Bildung positive Effekte für das Bildungsangebot im ländlichen Raum. 82 Prozent der Befragten glaubt, dass digitale Angebote dort Bildungsmöglichkeiten eröffnen – dies könnte beispielsweise eine besondere Rolle spielen, wenn wohnortnahe Bildungseinrichtungen fehlen. Zur Frage, ob bereits Kleinkinder den Umgang mit digitalen Technologien lernen sollen, gibt es hingegen in der Bevölkerung keinen Konsens (46 Prozent Zustimmung, 48 Prozent Ablehnung). 68 Prozent der Befragten befürchten außerdem zu viel Einfluss der Wirtschaft auf Lerninhalte und Lernprozesse.

Der „ZukunftsMonitor“ beruht auf mehr als 1.000 persönlichen Interviews, die das Meinungsforschungsinstitut TNS Emnid im August im Auftrag des BMBF durchgeführt hat.

Branchenverband Bitkom sieht Ende der Kreidezeit an Deutschlands Schulen

Die Ankündigung von Bundesbildungsministerin Prof. Johanna Wanka bietet nach Ansicht des Digitalverbands Bitkom eine riesige Chance. „Deutschlands Schulen können endlich in die digitale Welt überführt werden. Es ist höchste Zeit, dass wir von einzelnen Projekt-Klassen zu einer flächendeckenden digitalen Versorgung der Schulen kommen. Die analoge Kreidezeit in Deutschland geht jetzt zu Ende“, sagte Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder. „Wir appellieren an die Bundesländer, die Gelegenheit zu nutzen und den angebotenen Digitalpakt mit dem Bund zu schließen.“ Nach den Plänen des Bundesbildungsministeriums müssen die Länder im Gegenzug für die Ausstattung der Schulen Lehrer aus- und fortbilden sowie didaktische Konzepte erarbeiten und die digitalen Medien in den Unterricht integrieren. Rohleder: „Das grundsätzliche Problem ist seit Jahren bekannt: Geräte und digitale Infrastruktur alleine genügen nicht, aber ohne Geräte und Infrastruktur werden auch keine digitalen Lerninhalte entstehen. Der Vorstoß zu einem Digitalpakt zwischen Bund und Ländern bietet die Chance, den gordischen Knoten bei der Digitalisierung unserer Schulen zu durchschlagen.“ Gleichzeitig mahnte Bitkom, die Digitalisierung der Schulen rasch anzugehen. „Fünf Jahre sind in der digitalen Welt eine lange Zeit – und wir haben gegenüber anderen Ländern bereits heute einen Rückstand aufzuholen. Wir sollten uns auch zeitlich so ambitionierte Ziele wie möglich setzen“, so Rohleder.

Nach einer Bitkom-Studie von Anfang des Jahres würde jeder zweite Lehrer (48 Prozent) gerne öfter digitale Medien im Unterricht einsetzen, dies scheitert aber vor allem daran, dass nicht genügend Geräte an den Schulen vorhanden sind. Die technische Ausstattung mit Computern und Internet erhielt im Durchschnitt nur die Schulnoten „befriedigend“ bis „ausreichend“. Schon damals sagten 83 Prozent der Lehrer, sie würden sich ein stärkeres Engagement des Bundes bei einer Strategie für das digitale Lernen wünschen.

Anlässlich des IT-Gipfels am 16./17. November in Saarbrücken wird Bitkom zusammen mit der saarländischen Landesregierung und dem Bundesbildungsministerium den Umbau der Gesamtschule Bellevue zur „Smart School“ vorstellen. Ziel der Initiative, die von zahlreichen IT-Unternehmen wie Telekom, Samsung, Fujitsu, SAP und Bettermarks unterstützt wird, sind Infrastruktur, Pädagogik und Fortbildung gleichermaßen. Es wird eine Schule modellhaft mit digitalen Geräten für den Unterricht von morgen ausgestattet. Dabei sollen auch neueste Technologien wie Virtual Reality oder 3D-Druck erleb- und nutzbar gemacht werden. Gleichzeitig wird vom saarländischen Bildungsministerium zusammen mit dem Landesinstitut für Pädagogik und Medien ein didaktisches Konzept entwickelt, um die Technologie bestmöglich in den Lehrplan zu integrieren und die Lehrer entsprechend weiterzubilden. „Das Smart-School-Projekt, das zum IT-Gipfel in Saarbrücken erstmals vorgestellt wird, kann eine Blaupause für den Digitalpakt sein. Es geht darum, einen Dreiklang aus digitaler Infrastruktur, digitalen Lerninhalten sowie der Aus- und Weiterbildung von Lehrkräften zu Digitalthemen zu schaffen“, so Rohleder.

Quellen: BMBF / Bitkom