Build 2016: KI – Die Zukunft nach Windows 10

Mit der Build 2016 findet aktuell die wichtigste Entwicklerkonferenz von Microsoft in San Francisco statt. Am ersten Tag der diesjährigen Konferenz hat Microsoft ein Update zu Windows 10 bekannt gegeben sowie weitere Neuheiten in den Bereichen der Cloud-Dienste und Entwicklerwerkzeuge vorgestellt.

Für uns Endkunden besonders interessant: Es wurde ein umfangreiches “Anniversary Update” von Windows 10 für diesen Sommer angekündigt, welches allen Windows 10 Kunden kostenlos zur Verfügung stehen wird. Windows 10 hat nach Angaben von Microsoft den schnellsten Start in der Geschichte von Windows hingelegt und läuft mittlerweile auf mehr als 270 Millionen Geräten. Signifikante Neuerungen wie Windows Ink und die Erweiterung bestehender Dienste wie Cortana oder Windows Hello ermöglichen zukünftig eine noch natürlichere Interaktion mit der Windows Plattform.

Zudem stellte Microsoft mit der Cortana Intelligence Suite neue Cloud-Dienste vor, mit denen Entwickler intelligente Anwendungen und interaktive Bots, das heißt weitestgehend automatisch arbeitende Computerprogramme, erstellen können. Gleichzeitig machen neue Werkzeuge Windows 10 zur idealen Umgebung für die plattformübergreifende Entwicklung.

Mein Senf dazu:

Die genauen Einzelheiten und Highlights der Konferenz sind nachfolgend zusammengefasst. Wer sich nicht für die Einzelheiten interessiert, für den will ich ein kurzes Resümee aus meiner eigenen Sicht abgeben:

Microsoft zeigt ein Mal mehr, wo die Reise hin geht. Während die Konkurrenz in Form von Google, Apple oder Amazon sich darin üben, bestehende Technologien weiter zu entwickeln, verfolgen die Redmonder seit zwei Jahren eine komplett andere Strategie. Offizielles Motto des Konzerns ist “Mobile first, Cloud first”. Doch auch das scheint nach dieser ersten Keynote nicht mehr so ganz zu passen. Denn der US-Konzern geht in seiner Neuausrichtung noch viel weiter und verfolgt seine ganz eigenen revolutionären Ziele.

Offensichtlich ist man mittelfristig darauf aus, mit den eigenen Diensten auf allen Plattformen vertreten zu sein. Office, Cortana, Skype, etc. – Für alle Microsoft-eigenen Dienste sind mittlerweile jede Menge gut gepflegte Apps für andere (mobile) Plattformen neben Windows verfügbar, die von den Anwendern auch viel und gern genutzt werden. Dieser Schritt war nötig, zeigen doch die letzten Finanzberichte, dass das Geld nicht mehr mit dem ehemaligen Zugpferd Windows, sondern mit Office und vor allem Cloud-Diensten gemacht wird.

Diese Neuausrichtung hat dem Konzern also geholfen, die gemachten Fehler – wie etwa das komplette Verschlafen des Smartphone-Booms – fürs Erste auszubügeln. Windows Mobile ist nur noch ein Nischenprodukt, das bisher in großen Teilen kostenlos verfügbare Windows 10 dient eher als Vermarktungs-Plattform für die eigenen Dienste. Microsoft hat es immerhin schon geschafft, der schwächelnden PC-Sparte mit den 2-in-1 Produkten wie Surface oder Surface Book neues Leben einzuhauchen und in Sachen steigender Verkaufszahlen sogar das iPad in die Schranken zu weisen.

In der Welt der mobilen Betriebssysteme tut sich das Unternehmen dagegen nach wie vor schwer: Der Marktanteil unter den Smartphones ist so niedrig wie nie zuvor, im kommenden Big Thing – dem Internet der Dinge – ist man mit Windows ebenfalls eher schlecht aufgestellt. Man denke nur an Google Auto oder die Apple Watch. Was aber auf der diesjährigen Build zum ersten Mal wirklich erkennbar ist, ist der Weg, den Microsoft in der Post-Smartphone-Ära einzuschlagen gedenkt: Software as a Service. Soll sich eben die Konkurrenz mit der Weitentwicklung von Betriebssystemen und mobilen (Hardware-)Plattformen vergnügen, Hauptsache, der Kunde nutzt auf diesen Plattformen und Geräten die Dienste von Microsoft. Ob am Tablet, Smartphone, auf der Konsole, im Auto, der Smartwatch – Microsoft-Dienste sind überall zu finden.

Und der nächste große Schritt in der Digitalisierung wird zweifellos die Einführung künstlicher Intelligenz sein. Hier stellt sich Microsoft mit der Einführung des Bot-Frameworks vor allen anderen breit auf und gibt Entwicklern schon jetzt die Möglichkeit an die Hand, künstliche Intelligenz powered by Microsoft in Form der angekündigten Bots in deren Apps zu implementieren. Diese Bots sollen langfristig gar sämtliche Apps ersetzen, die wir alle heute einsetzen. Und selbstverständlich können sie auch im Internet der Dinge sinnvoll angewendet werden.

Irgendwann – so die Vision von Microsoft – wird künstliche Intelligenz unser aller “Windows” ins Internet werden. Mit neuen Geräten wie HoloLens versuchen die Redmonder auch, neue Möglichkeiten zu kreieren, wie wir digitale Technologien in unseren Alltag einbringen können. Diese Keynote hat ein Mal mehr offenbart, warum Technologie so faszinierend sein kann: es wurde gezeigt, wie sie unser Leben vereinfachen und bereichern soll. Zum Beispiel an Hand des blinden Microsoft-Entwicklers, der dank des neuen Bot-Frameworks leichter mit seiner Umwelt agieren kann, obwohl er nach wie vor blind ist. Seht selbst:

Es bleibt also spannend. Microsoft hat eine Vision und lässt uns schon jetzt teilhaben an einer Welt, in der neue Technologien nicht nur Jobs vernichten oder die Umwelt zerstören, sondern neue Chancen bieten und unser Leben abseits des Digitalen bereichern sollen.


Die Highlights der ersten Keynote:

Windows 10: „Anniversary Update“ im Sommer 2016 verfügbar. Im Rahmen eines umfassenden Updates erhält die neueste Windows Generation in diesem Sommer innovative Neuerungen, über die Anwender noch natürlicher mit ihren Geräten interagieren: So spielen Stift, Stimme und Präsenz zukünftig eine noch bedeutendere Rolle. Während das neue Windows Ink die Stifteingabe weiter verbessert, macht Cortana eigeninitiativ Vorschläge und Windows Hello erlaubt die biometrische Anmeldung nun auch in Anwendungen.

Cortana Intelligence Suite ermöglicht Entwicklung von intelligenten Apps und Bots. Die Cortana Intelligence Suite (früher: Cortana Analytics Suite) nutzt Technologien aus den Bereichen Big Data, Machine Learning, Analytics sowie weitestgehend automatisch arbeitenden Computerprogrammen („Bots“). So können Entwickler und Unternehmen auf Basis von Microsoft Azure selbstlernende Anwendungen und intelligente Bots programmieren, die mit ihren Nutzern personalisiert kommunizieren. Hierfür hat Microsoft die Previews von zwei neuen Tools für die Cortana Intelligence Suite sowie das Skype Bot Platform SDK und neue APIs vorgestellt:

Microsoft HoloLens: Auslieferung der Development-Edition in den USA und Kanada gestartet. Im Rahmen der Entwicklerkonferenz zeigte Microsoft ausgewählte Beispiele von Unternehmenskunden, die HoloLens bereits heute im Einsatz haben – unter anderem die NASA. Entwickler können die Universal Windows Platform nutzen, um neue Augmented-Reality-Anwendungen mit Hologrammen zu kreieren.

Neue Entwicklerwerkzeuge stärken die Plattform. Microsoft hat neue Tools vorgestellt, welche die Entwicklung von plattformübergreifenden Anwendungen für Windows 10 deutlich erleichtern.

Ein Ökosystem mit größtmöglicher Offenheit – auch gegenüber Linux. Seit mehr als 30 Jahren ist Windows ein offenes Ökosystem für Hardware- und Software-Partner sowie Entwickler weltweit. Mit der Universal Windows Platform geht Microsoft diesen Ansatz konsequent weiter. Alle neuen Funktionen, die auf der Konferenz vorgestellt wurden, werden für Entwickler frei zugänglich: einschließlich dem vollständigen Zugriff auf Cortanas Intelligenz sowie dem Windows 10 Anniversary SDK, das alle neuen APIs und Werkzeuge umfasst, um die neuesten Windows 10 Dienste in Apps zu integrieren – inklusive Windows Ink und Windows Hello. Teilnehmer des Windows Insider Programms haben ab heute Zugriff auf die Windows Anniversary SDK Preview.

Mehr noch, zum ersten Mal öffnet Microsoft die Windows Plattform gegenüber Linux: So unterstützt Windows 10 zukünftig die „Bash“-Shell und weitere Kommandozeilen-Werkzeuge aus dem Open-Source-Umfeld.

Wer will, kann sich hier die Keynote in voller Länge zu Gemüte führen:

Quelle: Microsoft