Phablettiert: Microsoft Lumia 950 XL im Test

Vor einigen Wochen hatte ich noch das Lumia 640 XL im Test, von dem ich nach wie restlos überzeugt und begeistert bin. Den Artikel schloss ich mit der Bemerkung, dass ich mir genau überlegen würde, ob eines der neuen Flagship-Phones von Microsoft für mich in Frage kommen würde, oder ob mir das Lumia 640 XL am Ende nicht doch ausreicht. Ich wartete also geduldig auf den Release-Tag und sah mich aufmerksam in der Welt der (internationalen) Techblogs um. Nach und nach wurden erste (teils vorschnelle) Testberichte zum kleineren Lumia 950 ins Netz gestellt, auch auf Reddit sind fix zahlreiche Threads entstanden und sogar die großen Magazine und Nachrichtenseiten berichteten über die neuen Vorzeige-Lumias. Im Großen und Ganzen zeichnete sich in Kürze ein genaueres Bild ab: Gerät toll, Haptik durchschnittlich, Betriebssystem toll, App-Situation mau. Selbst auf Windows-affinenen Blogs und Seiten halten sich die Begeisterungsstürme in Grenzen. Dennoch recherchierte ich, ob ich das für mich interessante Lumia 950 XL nicht doch im Rahmen eines Neuvertrags günstiger ergattern könnte. Und siehe da, ich wurde fündig. Damit war einer der großen Vorteile des Lumias 640 XL dahin: der Preis. Im Endeffekt würde ich nun also nicht mehr den dreifachen Preis zahlen, sondern “nur” den doppelten. Dafür gibt es Innovationen wie Windows Hello, Continuum, Quick Charge 2.0 und eine wahnsinnig gute Kamera. Ich schlug also zu und durfte pünktlich zum Release-Tag am 28. November das Lumia 950 XL mein Eigen nennen. Und vorab darf ich sagen: der Kauf hat sich absolut gelohnt! Meine größte Sorge war, dass mich der Akku enttäuschen würde, aber das traf zum Glück nicht ein. Später dazu mehr. Kommen wir jetzt also zum Testbericht und meine Eindrücke, denn ich weiß, dass nach wie vor viele Windows (Phone) Fans auf einen Testbericht explizit zum Lumia 950 XL warten.

Unboxing und Lieferumfang

Das Gerät kommt in einer großen, weißen, Microsoft-typischen Verpackung daher. Im Lieferumfang sind das komplett zusammengebaute Smartphone mit Akku, ein USB 3.0-zu-USB-C Kabel, ein Netzteil sowie eine kurze Bedienungsanleitung enthalten. Auf die Beigabe von billigen Kopfhörern, wie es eine Zeit lang üblich war, hat Microsoft verzichtet. Dafür sind Gutscheine für Sky Online im Paket enthalten und wer vor dem 31. Januar 2016 zuschlägt, erhält je nach Verfügbarkeit noch das Continuum-Dock “HD-500” gratis dazu.

Alles in allem beläuft sich der Wert der Gratis-Zugaben auf insgesamt 159 Euro. Die einzelnen Preise und wie man an das Continuum-Dock kommt, könnt Ihr dem oben verlinkten Artikel zum Release-Tag entnehmen.

Äußerlichkeiten und Technik

Von vielen Testern, und von vielen Windows-Phone Fans schon vorab, wird vor allem die Haptik bemängelt. Denn das Lumia 950 XL hat statt einem Metall- oder Glasbody ein Gehäuse aus simplem Polycarbonat. Als Plastikbomber, wie man das Lumia 920 damals noch benannt hat, würde ich es aber dennoch nicht bezeichnen. Ganz im Gegenteil. Die Verwendung von Plastik hat nicht nur bestimmte Gründe, sondern bietet auch nicht zu unterschätzende Vorteile. Zum einen ist Polycarbonat wesentlich unempfindlicher gegenüber Kratzern und Stürzen als Glas, zum anderen ermöglicht es auch das drahtlose Laden via Qi-Standard. Letzteres ist bei Verwendung mit einem Gehäuse aus Metall naturgemäß kaum möglich, ohne Stromschläge beim Nutzer zu riskieren. Außerdem ist es ein enorm leichtes Material und bei einem Phablet wie 950 XL kommt es auf jedes Gramm an. Ein weiterer Grund für die Verwendung liegt an der Flexibiltät des Gerätes. Im Gegensatz zu den anderen Vorzeigemodellen der iOS- und Android-Konkurrenz ist nämlich beim Lumia 950 XL der Akku austauschbar. Das Gerät ist also nicht verklebt und verschraubt. Damit einhergehender Nachteil ist natürlich wieder die Stabilität des Smartphones. Eine so robustes Gerät wie es das Lumia 920 damals war, ist das Lumia 950 XL leider nicht mehr. Dafür bietet das verwendete matte Polycarbonat eine gute Griffigkeit und rutscht dementsprechend nicht so schnell aus der Hand.

Das Lumia 950 XL misst 151,9 x 78,4 x 8,1 mm bei einem Gewicht von 165 Gramm. Der AMOLED-Bildschirm ist wie beim Lumia 640 Xl mit 5,7 Zoll bemessen, hat aber eine WQHD-Auflösung von 2560 x 1440 Pixel, das entspricht einer Pixeldichte von 518 ppi. Verglichen mit dem Lumia 640 XL ist aber das Lumia 950 XL insgesamt kleiner und handlicher, da das Lumia 640 XL ein wesentlich größeres Gehäuse vorweist. Des Weiteren sind 3GB RAM verbaut, der Qualcomm® Snapdragon™ 810 mit 8 Kernen arbeitet mit 2 GHz und der (erweiterbare) Speicher fasst 32 GB Daten, wovon gut 26 GB nutzbar sind. Neben einer nanoSIM werden auch microSD-Karten unterstützt, damit lässt sich der Speicher auf bis zu 2 TB erweitern – eine zukünftige Verfügbarkeit entsprechender Karten vorausgesetzt. An Bedienelementen sind auf der rechten Seite Lautstärketasten, eine Kamerataste, sowie eine kombinierte Verriegelungs- und Ein/Aus-Taste vorhanden. Die von Windows Phone bekannten Bedienelemente Zurück, Home und Suche sind nicht länger als kapazitive Tasten vorhanden, sondern werden – wie inzwischen üblich – vom Betriebssystem auf dem Display eingeblendet. Als Lade- und Datenanschluss dient der neue USB-C-Standard (USB 3.1). Auch ein Kopfhörer/Headset-Anschluss ist ander Oberseite vorhanden.

Verbinden kann sich das Lumia 640 XL nicht nur via GSM, UMTS oder LTE nach Cat. 6, sondern auch per NFC, Bluetooth 4.1, WLAN IEEE 802.11 a/b/g/n/ac und Miracast. Als Sensoren sind GPS, Umgebungslichtsensor, Beschleunigungssensor, Näherungssensor, Barometer, 3D-Lagesensor, Kompass (Magnetometer) und das Windows-eigene SensorCore vorhanden.

Der Prozessor wird übrigens mittels einer Heatpipe gekühlt. Diese Technik wird seit Jahren auf allen PC-Mainboards eingesetzt, um die vielen Komponenten besser zu kühlen. Das Ergebnis ist hier, dass der Prozessor nicht wie bei anderen Smartphone mit dem Snapdragon™ 810 zu heiß wird. Ganz im Gegenteil. Selbst unter Volllast wird die Rückseite des 950 nur warm, aber längst nicht heiß, wie ich es noch vom Lumia 920 kenne.

Kurz zum Display: es gibt nichts zu meckern. Ablesbarkeit im Freien ist wie gehabt optimal, ansonsten weist es alle Vor- und Nachteile eines AMOLED-Displays auf. Die Farben wirken ab Werk natürlich, lassen sich auch nachjustieren. Leider scheint das Display nicht mehr so schnell zu sein wie das des Lumia 920. Wer wissen will, was ich meine, sollte mal auf einer größeren Website runter scrollen und die neue Langsamkeit des 950 entdecken. Ein echter Nachteil ist das aber nicht und der Eindruck kann auch einfach an meiner subjektiven Wahrnehmung auf Grund des Größe des Gerätes liegen.

Kamera

Eines der Hauptargumente, die letztendlich doch für den Kauf des Lumia 950 XL gesprochen haben, ist die die Kamera. Was die Techniker von Microsoft hier abliefern gehört wirklich zum Besten, was der Markt derzeit zu bieten hat. Privat wie beruflich bin ich meist mit einer Spiegelreflex unterwegs, ich weiß also im Ansatz, wie gute Fotos gemacht werden müssen und wie sie aussehen sollten. Die PureView-Hauptkamera liefert beeindruckende 20 Megapixel bei einer Sensorgröße von 1/2,4 Zoll, einer Blende von 1,9 und einer Brennweite von 26 mm. Macro-Aufnahmen gelingen ab einem Abstand von 10 cm. Wie bei den PureView-Kameras üblich, wird auch wieder eine optische Bildstabilisation geboten und es sind 6 Linsen verbaut. Mittels dediziertem Kamera-Knopf, der zweistufig zuerst scharf stellt und dann auslöst, gelingen ungelogen die besten Schnappschüsse in so gut wie jeder Situation.

Ich bin der Meinung, bei einer Smartphone-Kamera sollte man “aus der Hüfte” gute Schnappschüsse machen können. Also Handy aus der Tasche holen und ohne große Einstellungsorgien das Foto schießen. Und genau das klappt beim Lumia 950 XL so gut wie nie zuvor bei einem Lumia bzw. Windows Phone Mobile Gerät. Die Automatiken sind sehr gut eingestellt, der RGB-Blitz schafft es dann noch zusätzlich, den automatischen Weißabgleich zu verbessern. Die Kamera-App ist blitzschnell gestartet und die Fotos werden blitzschnell abgespeichert. So schnell habe ich das vorher noch nie erlebt. Für die anspruchsvollen Smartphone-Fotografen: Fotos werden wahlweise auch als DNG – also im RAW-Format – abgelegt und es können vor dem “Abschuss” auf Wunsch diverse Feineinstellungen vorgenommen werden. Wer genauer in die Materie der Einstellungs-Optionen einsteigen will, findet bei den Kollegen von Mobilegeeks ein fantastisches Tutorial zur Lumia Kamera App . Lebendige Bilder, HDR und viele weitere Funktionen sind natürlich auch wieder an Bord.

Videoaufnahmen können bis zu einer 4K-Auflösung von 3840 x 2160 bei 30 fps aufgenommen werden. Des Weiteren kommen bei Videoaufnahmen mit RichRecording noch 4 Mikrofone zum Einsatz, die vor allem in lauten Umgebungen ein hervorragendes Ergebnis abliefern. Auch ein Zeitlupen-Modus wird geboten!

Die Frontkamera ist eher durchschnittlich. Sie nimmt wahlweise Fotos im Weitwinkel mit 5 Megapixeln auf oder kann Full-HD-Filme mit 1920 x 1080 Pixeln generieren. Die Bildqualität ist hier eher mau, für Selfie-Fetischisten mit Hang zum Gruppenfoto aber vollkommen ausreichend. Es gibt keinen Blitz und keine Videostabilisierung.

Akku und Quick Charge 2.0

Der Akku. Hier hätte ich mir mehr erhofft, bin aber auch nicht gnadenlos enttäuscht. Drei Tage wie beim Lumia 640 XL sind beim Lumia 950 XL definitiv nicht drin. An Tagen mit viel Nutzung musste das Gerät über die Nacht an die Steckdose, an Tagen mit weniger Nutzung reichte es auch noch bis zum Mittag des nächsten Tages. Wenn ich mir Mühe gebe, sind bestimmt auch 2 Tage drin, dafür muss man aber wieder viele Hintergrund-Dienste ausschalten, was dann jedoch den Sinn eines Smartphones in Frage stellt. Wie ich es befürchtet habe, zieht vor allem das enorm hoch aufgelöste Display viel Saft, aber auch andere Komponenten wie “Hey Cortana”, “Windows Hello” oder der Glance Screen spielen eine wichtige Rolle. Ich für meinen Teil habe “Hey Cortana”, NFC und Bluetooth dauerhaft deaktiviert, sonst aber alles Wesentliche in Benutzung: LTE, GPS, Schrittzähler, Windows Hello, Glance Screen und diverse Apps, die im Hintergrund Daten aus dem Internet saugen.

Ich denke aber, Microsoft wird da im Laufe der Zeit noch ein paar Updates hinterher schieben, die das Energie-Managements des Lumia 950 XL noch besser händeln und vielleicht wirklich zwei volle Tage herauskitzeln. Immerhin ist Windows 10 Mobile noch immer nicht ganz fertig, denn im aktuellen Auslieferungszustand ist noch eine ältere Betriebssystem-Version installiert, als die, die Windows-Insider derzeit für ihre betagten Windows Phones testen dürfen.

Außerdem ist da ja noch Quick Charge. Die Schnellladefunktion soll in 30 Minuten das Smartphone auf 50 Prozent laden können. Leider kann ich das nicht ganz bestätigen. Zwar wird der Akku definitiv schneller geladen als der des Lumia 640 XL (über 3 Stunden !!!), aber den Wert, den die vielen Tests, die da sonst so im Internet zu finden sind, erreichen, kann ich nicht bestätigen. In einer halben Stunde schafft es das Lumia etwa 30 Prozent aufzuladen, nach etwas mehr als eineinhalb Stunden ist das Gerät von 0 auf 100 voll aufgeladen. Bei einem Akku mit 3340 mAh Kapazität wirklich sehr schnell! Dazu kommt, dass der Akku wechselbar ist. Will man also auf Reisen gehen, könnte man statt externem Power-Akku einfach einen zweiten internen Akku mitnehmen. Über falsches Aufladen muss man sich auf jeden Fall keine Gedanken mehr machen. Und sollte das Smartphone länger als zwei Jahre genutzt werden, kann man auch einfach den Akku am Ende seiner Lebenszeit tauschen.

Lumia 950 XL

Software und App Gap

Hier halte ich mich lieber kurz. Wer Windows Phone 8.x kennt, wird sich mit Windows 10 Mobile schnell zurecht finden. An vielen Ecken wurde etliches optimiert, optisch aufpoliert oder sinnvoll umgestaltet. Das Lumia ist in jeder Situation blitzschnell und leistet sich keine Schnitzer. Hier und da gibt es noch ein klitzekleine Fehler, die ich aber auf Grund des Beta-Stadiums an dieser Stelle unerwähnt lasse, da sie einem Otto-Normal-User wahrscheinlich nicht einmal auffallen würden. Wer mit Live Tiles und den vielen Windows-typischen Eigenheiten nichts anfangen kann, wird entweder diesen Text hier kaum lesen oder sollte nach wie vor bei Android bzw. iOS bleiben. Windows bleibt Windows.

Was ich vermisst habe, waren einige Einstellungs-Möglichkeiten. Beispielsweise reagiert der Glance Screen momentan nur bei Bewegung vor der Kamera, aber nicht in Intervallen. Auch die Berührungsempfindlichkeit lässt sich nicht einstellen, womit sich das Gerät beispielsweise auch mit Handschuhen bedienen lassen würde. Beides wird sicher noch nachgereicht, da vor allem der hochsensible Touchscreen auf der offiziellen Produktseite in der Beschreibung aufgeführt wird.

Nach wie vor besteht leider noch das Hauptproblem, wegen dem viele Nutzer vor Windows Smartphones zurückschrecken – die Versorgung mit Apps. Es fehlen noch immer einige wichtige wie Snapchat, YouTube oder GMail. Für die meisten Apps gibt es zwar Alternativen, jedoch ist es einfach Fakt, dass Windows von den Entwicklern eher stiefmütterlich behandelt wird. Hier muss sich noch zeigen, ob sich die Lage mit den zahlreichen neuen Ansätzen wie den Universal Apps in Zukunft verbessert.

Ich für meinen Teil bin nicht so der App-Junkie. Dafür schätze ich die nahtlose Integration von Office und OneDrive, sowie die vielen Kleinigkeiten wie beispielsweise die Kinderecke, die Windows Smartphones so einzigartig machen. Manchmal schielt man schon zu den anderen mobilen Betriebssystemen von Apple und Google, wenn beispielsweise Games erscheinen, die es nicht auf Windows schaffen. Oder sich auch diverse Apps wünscht, die “das neue Ding” sind. Aber im alltäglich Workflow vermisse ich rein gar nichts.

Sonstige Auffälligkeiten: USB OTG, Windows Hello, Continuum und microSD

Zum Schluss meines Berichtes will ich noch auf die Innovationen eingehen, die es zum jetzigen Zeitpunkt nur beim Lumia 950 (XL) gibt. Als erstes darf man den Einsatz von microSD Karten zur Speichererweiterung nicht auslassen. Zwar bietet das Lumia 950 XL ab Werk 32 GB Speicher, der kann aber bei vielen Fotos, 4K-Filmen, Musik und Offline-Karten schnell voll werden. Durch den kostengünstigen Einatz einer Speicherkarte spart man sich also eine Menge Ärger. Und bei der (hochpreisigen) Konkurrenz muss man auf solche Annehmlichkeiten verzichten, da angeblich diese SD-Karten die Luxus-Smartphones ausbremsen würden. Blödsinn! Diese Karten sind genauso schnell wie der verbaute interne Speicher. Da wird nichts mehr verlangsamt, solange man eine schnelle Karte einsetzt.

Punkt Zwei: Continuum. Hier schließt man das Lumia an das Microsoft Display Dock an und Windows Apps werden so skaliert, dass man sie am großen Bildschirm oder Fernseher nutzen kann. Das Ganze funktioniert sogar ohne das Dock drahtlos per Miracast. Hat man also einen geeigneten Miracast-Empfänger am TV, darf man alle Universal Apps am großen Schirm nutzen. Leider funktioniert es nicht mit dem Amazon Fire TV (Stick). Xbox 360 und Xbox One sind aber ebenso dabei wie jeder andere handelsübliche Miracast-Empfänger. Schließt man dann noch via Bluetooth Maus und Tastatur an, kann man beispielsweise am TV seine E-Mails lesen und ein Word-Dokument bearbeiten, während das Lumia 950 XL als Touchpad fungiert oder auch sonst unabhängig weiter benutzt werden kann. Entsprechende innovative App-Entwickler vorausgesetzt, steckt hier ein mächtiges Potential. Denn tatsächlich taugt Continuum, wie ich es eigentlich mal gedacht habe, nicht nur als Business-Lösung, sondern kann auch im Wohnzimmer neue Erlebnisse schaffen.

Die dritte Innovation nennt sich Windows Hello. Mittels Iris-Scan lässt sich das Lumia 950 innerhalb von Sekunden entsperren. Das klappt mal mehr, mal weniger gut. Hier will ich mir auch kein abschließendes Urteil erlauben, da Windows Hello ebenfalls noch nicht ausgereift ist. Das Ganze funktioniert mittels Infrarotkamera und erkennt Euch sogar mit Sonnenbrille oder in dunklen Umgebungen. Sicherer als ein Fingerabdruck sollte das allemal sein, jedoch muss Microsoft noch dringend an der Geschwindigkeit und Zuverlässigkeit arbeiten. Im aktuellen Zustand ist es eher eine Spielerei, die man meist übergeht, da der Entsperr-Code oft schneller eingegeben ist, als der Scanner das Auge erkennt.

Als letzten Punkt will ich USB on the go nicht unerwähnt lassen. Tatsächlich lassen sich am Lumia 950 XL USB-Festplatten, Tastatur und Maus anschließen! Sogar Drucker funktionieren. Eine Liste mit unterstützten Druckern ist hier zu finden. Einen entsprechenden USB-Hub vorausgesetzt, hat man hier in jeder Situation schnell eine passende Lösung zur Hand.

Mein Fazit:

Das Lumia 950 XL ist definitiv das, als was es angekündigt wurde. Ein Gerät für die Fans von Windows Phone Mobile. Es bietet alles, was ein Flagship-Phone bieten kann, und das zu einem moderaten Preis. Rein von der Hardware hat Microsoft alles verbaut, was nur möglich war. Windows 10 in der mobilen Variante ist ebenfalls ein großer Schritt nach vorn. Nur die fehlenden Apps sind das Steckenpferd. Wem diese wichtig sind, muss sich nach wie vor fern halten von Windows Smartphones. Features wie Windows Hello, Continuum oder 4K-Aufnahmen waren jetzt nicht kaufentscheidend für mich, werden aber entgegen meiner Erwartungen dennoch benutzt. Eingefleischte Windows Fans dürfen in jedem Fall zugreifen. Foto-Fans oder gar Smartphone-Neulinge wären ebenfalls gut damit beraten, einen näheren Blick auf das Lumia 950 XL zu werfen. Und für mich, aus der Sicht eines Vaters, war es die Anschaffung schon wert, um im richtigen Moment die besten Fotos machen zu können. Ohne Kompromisse.

Von mangelnder Verarbeitungsqualität oder miserabler Haptik, wie andere Tester es bemängeln, kann ich und will ich keineswegs sprechen, schaut man sich einmal die Gründe für die jeweiligen Design-Entscheidungen genauer an. Wer sich eine bessere Haptik wünscht, kann immer noch zu alternativen Covern wie denen von Mozo greifen, die die das Smartphone noch einmal deutlich aufwerten.

Was ich auch nicht unkommentiert lassen möchte ist die Erwartungshaltung einiger Windows Phone Fans. In der Gerüchteküche wird für 2016 ein Surface Phone angekündigt, das mit einem Intel Atom Prozessor laufen soll. Ich denke nicht, dass dieses Smartphone, wenn es denn wirklich kommt, viel besser wäre als die Lumia 950 Geräte. Zum Einen hat Microsoft bereits geäußert, dass es noch eine ganze Weile dauern wird, bis sich normale Desktop-Programme am Smartphone mittels Continuum nutzen lassen. Zum Anderen sind die Atom Prozessoren meiner Erfahrung nach keine gute Alternative zu ARM-Prozessoren. Die Ladezeit wird wieder länger, die Leistung ist geringer und ein Mehrwert auf Grund mangelnder Unterstützung von Desktop Apps wird auch nicht gegeben sein. Was bleibt, ist wieder ein fest verbauter Akku und irgendwelche innovativen Einzelheiten, die das Smartphone vielleicht revolutionieren, aber in der ersten Generation kaum als Kaufgrund taugen werden. Genau so, wie es beim Surface schon der Fall war. Ich für meinen Teil bin nach wie vor froh über mein Surface 2 und brauche nicht die Nachteile, die ein Surface 3 mit sich bringt. So wird es sich sicher auch mit dem Surface Phone verhalten. Als reines Smartphone ist das Lumia 950 (XL) mit Sicherheit keine schlechte Wahl und wird im nächsten Jahr kaum von einem wesentlich besseren Windows Smartphone abgelöst. Die Leute, die jetzt noch auf Grund der Gerüchteküche warten wollen, sollten das meiner Meinung nach nicht tun und lieber direkt auf die zweite Generation des Surface Phones warten, wenn es überhaupt jemals eine erste Generation geben wird. Ich sage nur Surface Mini 

Wer Fragen hat oder andere Erfahrungen mit dem Lumia sammeln konnte, darf gern einen Kommentar hinterlassen.


Bilder: Microsoft