BITKOM: Internet der Dinge, Unterhaltungselektronik und deutscher App-Markt im Aufschwung

Die Bitkom hat anlässlich der bevorstehenden IFA in Berlin einige interessante Pressemitteilungen rausgehauen, die sich auf die digitale Zukunft vor allem in Deutschland beziehen:

Deutscher App-Markt knackt Milliarden-Marke

Die Nachfrage nach Apps zieht in diesem Jahr erneut kräftig an: 2015 werden in Deutschland voraussichtlich 1,3 Milliarden Euro mit mobilen Anwendungen für Smartphones oder Tablets umgesetzt. Das ist ein Plus von 41 Prozent gegenüber 2014, als der Umsatz 910 Millionen Euro betrug. 2013 lag das Marktvolumen erst bei 547 Millionen Euro. Damit knackt der deutsche App-Markt 2015 erstmals die Milliarden-Marke. „Der Boom von Apps ist ungebrochen“, sagt Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder. „Hintergrund ist die zunehmende Verbreitung von Smartphones und Tablets. Mit Wearables wie etwa der Smartwatch und Fitnessarmbändern wird das Ökosystem rund um Apps jetzt nochmals deutlich erweitert.“

Die Anzahl der verfügbaren Apps ist in den vergangenen Jahren rasant gestiegen und beläuft sich derzeit in den fünf größten App Stores auf rund 3,7 Millionen. Dabei entfallen 1,5 Millionen auf den Google Play Store und 1,4 Millionen auf den Apple App Store. Im Amazon App Store sind zudem 360.000 Anwendungen verfügbar, im Windows Phone Store 340.000 und bei Blackberry World 130.000. Das Angebot umfasst nahezu alle Themen- und Lebensbereiche: Es gibt Apps zum Vokabellernen und Nachrichtenlesen, für das Mobile-Banking oder die Essensbestellung, zur Navigation im Auto oder für die Buchung von Veranstaltungstickets. „Am beliebtesten sind unverändert Anwendungen für Soziale Netzwerke, Messenger-Dienste und Spiele“, so Rohleder. „Stark im Kommen sind außerdem Fitness-und Gesundheits-Apps, die zum Beispiel die zurückgelegte Strecke und die verbrauchten Kalorien beim Joggen aufzeichnen und so helfen, das Training zu optimieren und die Motivation unterstützen.“

Die meisten Apps können kostenlos heruntergeladen werden. Das Gros des App-Umsatzes wird mit 952 Millionen Euro (74 Prozent) über kostenpflichtige Angebote innerhalb der App erzielt, etwa für die Erweiterung von Spielen. 193 Millionen Euro werden direkt über den Kaufpreis umgesetzt (15 Prozent), 150 Millionen Euro über Werbung (12 Prozent).

Smartphones, Tablets und Wearables bringen Unterhaltungselektronik in Schwung

Die Umsätze mit klassischer Unterhaltungselektronik gehen weiterhin leicht zurück. Gleichzeitig kurbeln IT-Geräte wie Smartphones, Tablet Computer und die so genannten Wearables die Umsätze im Privatkundenmarkt an. Mit 25,56 Millionen verkauften Geräten und einem Umsatzwachstum von 7,3 Prozent auf 9,1 Milliarden Euro sollen Smartphones 2015 einen neuen Verkaufsrekord aufstellen. Tablet Computer werden mit voraussichtlich 7,74 Millionen verkauften Geräten und einem Umsatz von 2,09 Milliarden Euro ebenfalls zulegen, in diesem Fall um 1,7 Prozent. Die Gesamtumsätze der klassischen Unterhaltungselektronik sollen demgegenüber um 3,8 Prozent auf 9,78 Milliarden Euro zurückgehen. Zur klassischen Unterhaltungselektronik gehören insbesondere TV-Geräte, Digitalkameras, Audio-Geräte, Spielkonsolen sowie Blue ray- und DVD-Player. „Die Zukunft gehört Geräten, die der Verbraucher mit dem Smartphone oder Tablet vernetzen kann“, kommentiert Bitkom-Präsidiumsmitglied Martin Börner die aktuellen Entwicklungen.

Erst seit wenigen Jahren auf dem Markt sind Wearables – Miniaturcomputer, die man direkt am Körper trägt. Sie haben sich in kürzester Zeit etabliert. Den Prognosen zufolge wird der Absatz für Smartwatches und Fitness-Tracker dieses Jahr bei insgesamt 1,72 Millionen Geräten liegen und Umsätze von 240 Millionen Euro bringen. Davon werden alleine Fitness-Tracker mit voraussichtlich 1,07 Millionen verkauften Geräten 70,83 Millionen Euro Umsatz erzielen. Zwar sind die Verkaufszahlen bei Smartwatches mit 645.000 deutlich niedriger, dafür sind die erwarteten Einnahmen mit 169,2 Millionen Euro umso höher. Der durchschnittliche Preis für die intelligente Uhr liegt aktuell bei 262 Euro, für Fitness-Tracker zahlen Verbraucher im Schnitt 66 Euro. Börner: „Mit ihren zusätzlichen Funktionen und intelligenten Sensoren ergänzen Wearables das Smartphone perfekt.“

Innerhalb der klassischen Unterhaltungselektronik haben Flachbildfernseher mit 43 Prozent weiterhin den weitaus größten Umsatzanteil. Dahinter folgen mobile und stationäre Audiogeräte mit 15 Prozent, Digitalkameras kommen auf 11 Prozent, Spielkonsolen auf 7 Prozent und Blu-ray-Player auf 2 Prozent. Der Anteil sonstiger Geräte am Gesamtumsatz wie Camcorder, DVD-Player oder Set-Top-Boxen beträgt 22 Prozent. Addiert man IT-Produkte wie Smartphones, Tablet Computer und Laptops hinzu, machen vernetzbare Geräte im erweiterten Kreis der Consumer Electronics insgesamt 82 Prozent aller Umsätze aus.

Mit 7,45 Millionen verkauften Geräten und einem Umsatz von 4,24 Milliarden Euro werden die Einnahmen mit Flachbildfernsehern laut Bitkom im Jahresverlauf um 6,1 Prozent zurückgehen, bleiben aber auf hohem Niveau. Börner: „Dank Online-Mediatheken und Streaming-Diensten bieten vernetzte Smart-TVs heute nahezu unbegrenzte Möglichkeiten. Intelligente Fernseher bringen das Filmerlebnis in eine neue Dimension.“ Ein Grund für das vorhergesagte Umsatzminus ist, dass 2015 ein sportliches Großereignis als zusätzlicher Kaufanreiz fehlt. Dabei ziehen die Preise nach Jahren des Rückgangs wieder an. Lag der Durchschnittspreis 2014 noch bei 556 Euro, gibt ein Käufer dieses Jahr im Schnitt 568 Euro für einen Flachbildfernseher aus. „Für große und ultra-hochauflösende TV-Geräte ist der Verbraucher wieder bereit, mehr zu bezahlen“, so Börner.

Den Prognosen zufolge liegen die Einnahmen für mobile und stationäre Audiogeräte im laufenden Jahr bei 1,42 Milliarden Euro, was ein Umsatzplus von 3,2 Prozent bedeutet. Das entspricht 10,26 Millionen verkauften Geräten. Das solide Wachstum geht auf vernetzbare Geräte zurück. Entscheidender Markttreiber sind vernetzte Audio-Technologien wie sogenannte Multiroom-Systeme oder kabellose Lautsprecher. Die Einnahmen mit klassischen Heimkino-Anlagen und traditionellen Audio-Systemen hingegen sinken wahrscheinlich erneut.

Bei Digitalkameras sollen der Absatz bei 3,38 Millionen verkauften Geräten und der Umsatz nach einem Minus von 8,8 Prozent bei 1,09 Milliarden Euro liegen. Wer eine Kamera erwirbt, zahlt dafür aber mehr als noch vor wenigen Jahren: Heute liegt der Durchschnittspreis bei 323 Euro. 2012 waren es erst unter 240 Euro. Im Trend liegen dabei hochwertige Modelle, etwa mit großen Sensoren, lichtstarker Optik oder leistungsstarken Prozessoren.

Das Internet der Dinge verändert die Unterhaltungselektronik

Das Internet der Dinge ist der derzeit wichtigste Trend in der Unterhaltungselektronik. Das zeigt die Trendstudie „Consumer Electronics 2015“, die der Digitalverband Bitkom und das Prüfungs- und Beratungsunternehmen Deloitte vorgestellt haben. Der Begriff „Internet der Dinge“ bezeichnet die intelligente Vernetzung von Gegenständen, die per Internet kommunizieren und so verschiedene Aufgaben für ihren Besitzer erledigen. Dazu gehören zum Beispiel Smart-TVs, die Video-on-Demand-Angebote aus dem Internet ermöglichen, oder sogenannte Multiroom-Systeme, mit denen sich per Smartphone Musik in allen Räumen der Wohnung abspielen lässt. „Die Vernetzung macht aus herkömmlichen Geräten intelligente Geräte, die zahlreiche neue und kreative Nutzungsmöglichkeiten eröffnen“, sagt Bitkom-Experte Timm Lutter. „Der Verbraucher kann sein Unterhaltungsangebot damit nicht nur komfortabler, sondern auch flexibler und individueller gestalten als bisher. Nicht vernetzte Geräte haben es dagegen immer schwerer, sich beim Verbraucher durchzusetzen.“ Zentrale Treiber der Vernetzung sind Mobilgeräte wie Smartphone und Tablet Computer. Die Geräte sind weit verbreitet: Derzeit nutzen zwei von drei Deutschen (65 Prozent) ein Smartphone und vier von zehn (40 Prozent) einen Tablet Computer.

Neben der Unterhaltungselektronik stehen weitere Segmente im Zeichen der Vernetzung. Ein Beispiel hierfür ist das Smart Home. So sendet etwa die Waschmaschine Nachrichten an das Smartphone, wenn sie fertig ist, und mit dem Tablet Computer lässt sich die Heizung steuern. „Das Internet der Dinge kann helfen, unseren Alltag bequemer, sicherer und effizienter zu gestalten“, so Lutter. Großes Potenzial haben außerdem Wearables – IT-Geräte, die direkt am Körper getragen werden. Hierzu zählen zum Beispiel Smartwatches, Fitness-Tracker und Smart Glasses. Diese sind bei Verbrauchern beliebt. 2015 werden in Deutschland voraussichtlich etwa 645.000 Smartwatches verkauft. Bei Fitness-Trackern wird für das laufende Jahr mit 1,07 Mio verkauften Geräten gerechnet. Auch Smart Glasses haben ein großes Marktpotenzial. Die intelligenten Brillen integrieren Informationen aus dem Internet in den Alltag, indem sie diese in das Sichtfeld der Nutzer einblenden. 38 Prozent aller Deutschen können sich derzeit vorstellen, solche Brillen zu nutzen. „Wearables sind die logische Weiterentwicklung von Smartphone und Tablet“, so Lutter. „Sie bringen das Internet der Dinge an den Körper und machen es somit im Alltag noch praktikabler.“

Vernetzte Geräte werden sich in den nächsten Jahren in der Unterhaltungselektronik klar durchsetzen. „Bis 2020 werden die Deutschen rund 100 Millionen vernetzte Endgeräte nutzen – Smartphone und Tablet Computer nicht mitgerechnet“, sagt Klaus Böhm, Media Director bei Deloitte. Schnelle mobile Datennetze treiben diese Entwicklung voran. Nach Schätzungen von Deloitte werden im laufenden Jahr weltweit eine Milliarde vernetzte Gegenstände verkauft. Am meisten profitieren davon die Marktbereiche Smart Home, Connected Car und Wearables. Wie erfolgreich die vernetzten Systeme sind, zeigen vernetzte Audio- und Video-Geräte bereits heute.

Für die Anbieter von Unterhaltungselektronik wirkt sich die Vernetzung auch auf die Vermarktungsstrategien aus. „Das Internet der Dinge revolutioniert klassische Geschäftsmodelle“, so Böhm. Neben den Produkten selbst rücken die damit verbunden Dienste in den Vordergrund. Dies reicht von Inhalteangeboten für vernetzte Unterhaltungselektronik über Navigationslösungen für das Auto bis hin zu Sicherheitssystemen für das Smart Home. „Für die Zukunft der Consumer Electronics gewinnen Kooperationen an Bedeutung. Sie ebnen den Weg für neue Geschäftsmodelle“, so Böhm. Beispiele hierfür sind Connectivity-Lösungen, die Gerätehersteller mit Netzbetreibern entwickeln oder vernetzte Wachsysteme, die in Zusammenarbeit mit Sicherheitsfirmen entstehen. Gleichzeitig verändern Angebote wie Streaming-Dienste die Anforderungen der Nutzer.

Quelle: BITKOM