Windows 10 Mythen und der Datenschutz

Es kursiert seit Tagen ein großes Thema in den Medien – es geht um Windows 10 und vor allem um den Datenschutz. Microsoft hat mit der Einführung des neuen Betriebssystems zahlreiche neue Dienste implementiert, die eigentlich den Nutzern hilfreich zur Seite stehen sollen. Nun haben aber schlecht recherchierende News-Seiten ein Haar in der Suppe finden wollen, denn es kann ja nicht sein, dass ein neues Windows kostenlos verteilt wird… Da kann doch etwas nicht stimmen!

Überschriften wie “Windows-10-Update: ‘Echt nur über meine Leiche!'”, “Windows 10: So legen Sie der Datenkrake das Handwerk!” und “Windows 10 – Microsoft macht ENDGÜLTIG SCHLUSS mit kopierten Spielen und Software” sollen in erster Linie für Eines sorgen – Klickraten und Verunsicherung bei weniger technikversierten Nutzern. Dabei ist gerade Deutschland in Fragen des Datenschutzes ein sehr empfindlicher Markt. Schlagzeilen dieser Art dürften dazu beitragen, dass Microsoft mit Windows 10 hier in diesen Tagen schlechter Fuss fassen kann als in anderen Märkten. Dabei ist Windows 10 schon jetzt, knapp einen Monat nach dem Launch, ein echter Erfolg. Seit dem 29. Juli wurde das Betriebssystem bereits auf 53 Millionen Rechnern weltweit installiert. Das entspricht etwa 2,6 Millionen Installationen pro Tag. Können all diese Menschen so irren und sich ein trojanisches Pferd ins Haus holen? Eher nicht.

Fakt ist, dass alle Datenschutzeinstellungen bequem einstellbar sind. Und es ist Fakt, dass die meisten Daten, die da an Microsoft gesendet werden, auch schon in Windows 7 und Windows 8 an die Server der Redmonder gingen. Nur hat sich bisher niemand für diesen Zustand interessiert. In Windows 10 sind noch ein paar Sachen hinzugekommen, die Daten versenden. Neue Apps wie die Sprachassistentin Cortana oder die diversen MSN-Apps nehmen nun zusätzlich Verbindung mit dem Internet auf. Logisch, sonst würden sie nicht funktionieren. Sonst ist aber alles gleich.

Datenschutz Optionen im Detail

Schon bei der Installation kann man diverse Regler betätigen, die den Datenschutz verbessern. Aber all diese Einstellungen sind auch im Nachhinein konfigurierbar.

Unter Alle Einstellungen / Datenschutz sind sämtliche Optionen unter einem Punkt vereint. Einfacher geht es kaum.

Kurz erklärt, was die einzelnen Punkte bedeuten:

  1. Die Werbe-ID dient lediglich dazu, dem Nutzer personalisierte Werbung zu liefern. Kann man mögen, muss man aber nicht haben.
  2. Der SmartScreen-Filter sendet Daten zu Eurer verwendeten Software oder besuchten Webseiten an Microsofts Server, lässt sie dort anonymisiert überprüfen und anschließend werden diese Daten wieder gelöscht. Dient eigentlich nur dazu, Schadsoftware zu erkennen – ein zweiter Virenschutz also. Antiviren-Programme funktionieren in gewissen Teilen genauso.
  3. Hier werden Schreibgewohnheiten analysiert, damit die Worterkennung bei der Bildschirmtastatur besser wird und ihr bessere Vorschläge bekommt. Ist also an Tablets und Smartphones durchaus sinnvoll.
  4. Der letzte Punkt dient lediglich der automatischen Erkennung Eurer Sprache für Webseiten, damit diese auch in Deutsch und nicht chinesisch dargestellt werden.

In den Optionen am linken Rand kann man noch wesentlich mehr konfigurieren. Für jede einzelne App lassen sich hier beispielsweise die Verwendung von Mikrofon, Kamera oder Ortungsdienst (GPS) einzeln An- oder Ausschalten.

Was soll da noch fehlen, weshalb so viele Medien über den “mangelnden” Datenschutz bei Windows 10 herziehen? Alles Quatsch!

Gefährliche Trittbrettfahrer

Obendrauf zu den ganzen Falschmeldungen gibt es nun noch das Tool “DoNotSpy10”. Diese Software macht genau genommen nichts anderes, als die Einstellungen zu kopieren, die ohnehin unter Einstellungen / Datenschutz zu finden sind und diese in einer altbackenen Oberfläche darzustellen. Vorteil der Software? Man kann alles in einem Rutsch deaktivieren. Jedoch funktionieren dann viele der neuen Features von Windows 10 nicht mehr. Des Weiteren installiert das Programm die AdWare “OpenCandy”. Was OpenCandy macht? Es analysiert das Nutzungsverhalten, wertet dieses (nicht anonymisiert) aus und installiert ungefragt Software, die für den Anwender angeblich nützlich sein könnte. Finger weg davon!

Wenn Ihr schon ein Tool installieren wollt, dann empfehle ich Euch O&O ShutUp10 . Diese Anwendung installiert wenigstens keine Dritt-Programme, stammt von einem renommierten Unternehmen und ist für Anfänger, die nicht in den Tiefen der oben erwähnten Systemeinstellung herumpfuschen wollen, die definitiv bessere Wahl. Es ist selbst erklärend, kostenlos, muss nicht einmal installiert werden und macht auch nix kaputt.

Nächster Mythos Raubkopien

Nach dem ganzen Datenschutz-Schmarrn kam die Tage noch ein weiterer Skandal hinzu: “Windows 10 durchsucht Deinen PC täglich nach eventuellen Raubkopien.” Dr. Windows erläutert Euch im Detail, warum das alles Quatsch ist. Ein Microsoft-Mitarbeiter hat bereits erklärt, dass dieser Raubkopien-Paragraph schon sehr alt sei und ursprünglich aus den Nutzungsbedingungen von Xbox Live stammt. Er richtet sich gegen das Cheating in Online-Spielen und war vor allem für die Xbox-Konsolen wichtig. Was soll ich sagen… Ihr erinnert Euch, dass Windows 10 auch auf die Xbox One kommen soll?

Mal ganz davon abgesehen – der Einsatz von Raubkopien ist eine Straftat. Selbst wenn Microsoft also in Zukunft Eure Rechner nach Raubkopien durchsucht, dann ist das sogar deren gutes Recht, um sich gegen Software-Piraterie zu schützen. Punkt.

Mein Senf dazu:

Wie Ihr seht, wird da mal wieder viel Lärm um Nichts gemacht. Schuld ist wohl das Sommerloch. Alle verantwortlichen Redakteure sind im Urlaub und räkeln sich am Strand, während die Nachwuchs-Schreiberlinge händeringend nach einer neuen Story suchen und dabei jeden journalistischen Ethos außen vor lassen. Übrigens ist es für Microsoft gar nicht so teuer, Windows 10 kostenlos zu verteilen, wie man annehmen will. Das meiste Geld machen die Redmonder mittlerweile mit Diensten und Software rundherum um Windows. Office zum Beispiel. Vor allem der Geschäftskundenbereich ist ein starker Geschäftszweig, und dort wird das kostenlose Upgrade schonmal nicht verteilt.