[Blogparade] Prügelstrafe: Hiebe statt Liebe

Wie Ihr wisst, war ich vor kurzem für drei Wochen im Urlaub. Um genau zu sein war ich mit meiner Familie in Süd-Frankreich an der Côte d’Azur. Schön war es dort. Jeden Tag über 30 Grad, warmes Wasser, Strand… Wir hatten uns extra einen Strand gesucht, der nicht von Touristen in Ballermann-Manier überflutet war. Stattdessen waren meist nur ein paar Einheimische zugegen, darunter natürlich auch Familien mit ihren Kindern. Es dauerte nicht lange, und wir machten Bekanntschaft mit einem französischen Brauch: fessée. Auf gut deutsch: einige Schläge auf den Hintern haben noch keinem Kind geschadet, so der einstimmige Tenor der Franzosen.

Es ist erschreckend, so etwas mit ansehen zu müssen. Damit wir uns nicht falsch verstehen – es ist kein Klaps auf den Popo, den die Franzosen da ihren Kindern mitgeben. Es sind Schläge. Mit Anlauf. Und nicht nur auf den Hintern. Was auch erschreckend daran ist war die Selbstverständlichkeit, mit der die Kinder in der Öffentlichkeit verhauen werden. Vor allem waren die Mütter jedes Mal aktiv dabei, diese Prügelstrafe zu vollziehen, die Väter eher selten. Die standen meist nur grinsend daneben.

Vielleicht erinnert Ihr Euch: Die französische Kinderschutzvereinigung „Fondation pour l’Enfance“ wollte 2011 mit folgendem Video einen Bewusstseinswandel in Frankreich erreichen:

Jetzt, vier Jahre später, weiß man, es hat nicht viel gebracht. Die Franzosen schlagen immer noch gern und viel . Erst im März diesen Jahres rügte der Europarat Frankreich dafür , noch immer kein Gesetz gegen Gewalt an Kindern verabschiedet zu haben. Statt dessen sind 70 Prozent der Franzosen dafür, weiterhin ungestraft ihre Kinder verprügeln zu dürfen. Neben Frankreich sind übrigens auch Russland, Großbritannien, Irland und Belgien gegen ein solches Gesetz. Von den 47 Mitgliedsländern des Europarats haben bisher 27 körperliche Züchtigungen durch die Eltern per Gesetz untersagt. Vorreiter war Schweden, das Eltern bereits 1979 die Prügelstrafe verbot. Österrich hatte 1989 ein solches Gesetz verabschiedet und Deutschland schrieb im Jahr 2000 ins Bürgerliche Gesetzbuch: „Kinder haben ein Recht auf gewaltfreie Erziehung. Körperliche Bestrafungen sind unzulässig.“

Die Situation in Deutschland

2012 ergab eine Umfrage in Deutschland, dass noch immer fast die Hälfte der Deutschen ihre Kinder schlägt. 40 Prozent der Mütter und Väter in Deutschland geben zu, ihren Kindern einen „Klaps auf den Po“ zu geben, zehn Prozent verteilen Ohrfeigen und vier Prozent greifen zu harten Strafen wie „Hinternversohlen“. Immerhin: 74 Prozent hatten ein schlechtes Gewissen, nachdem sie ihr Kind körperlich gezüchtigt hatten. Der Großteil der deutschen Eltern schlägt heute fast immer aus Stress und Hilflosigkeit, aber kaum noch, weil sie glauben, ihrem Kind damit etwas Gutes zu tun.

Und was sagen die Anderen?

In Frankreich dagegen argumentieren sogar Psychologen und Ärzte, der Staat dürfe sich nicht in alles einmischen, den Eltern sollten keine Schuldgefühle gemacht werden. Selbst das Oberhaupt der katholischen Kirche, Papst Franziskus, hat einen Hau und befürwortet die Prügelstrafe, solang man nicht ins Gesicht der Kleinen schlägt.

Wie heißt es noch in der Bibel?

„Wer dem Geringen Gewalt tut, der lästert desselben Schöpfer.“

Was bei Diskussionen um Kinder stets vergessen wird, ist die Sichtweise der Kinder selbst. Und diese sind es, die uns Eltern in diesem Fall die – in meinen Augen – einzig richtige Entscheidung zur Prügelstrafe vorgeben. Im folgenden Video wird ein soziales Experiment vom italienischen Journalist Luca Lavarone durchgeführt. Darin werden Jungs dazu aufgefordert, ein Mädchen zu schlagen. Die Reaktionen der kleinen Jungs auf diesen Auftrag waren überwältigend und sind wohl mehr als eindeutig.

Vertreter von Kinderschutzorganisationen und Ärzte warnen übrigens auch vor möglichen psychischen Schäden. Studien belegen, dass Schläge den Kindern nur aufzeigen, dass der Stärkere immer Recht hat. Was sich später rächt. Wer als Kind geschlagen wird, ist später selbst gewaltbereit und schubst schon im Sandkasten die anderen Kinder vom Klettergerüst.

Wir wir es handhaben

In unserer Familie sind Strafen, die egal in welcher Form Schmerzen zufügen, kein Thema. Es gibt andere Wege, sein Kind zu erziehen. Physische oder auch psychologische Strafen machen es den Eltern nur einfach, bringen unserer Asicht nach aber rein gar nichts.

Ehrlich gesagt verstehe ich auch nicht, wie man seinem Kind, wenn man es wirklich liebt, Schmerzen zufügen kann, ob nun durch Schläge oder durch seelische Verletzungen. Wir schreiben das Jahr 2015. In Deutschland gab es seit 1945 keinen Krieg mehr, wir und unsere Kinder haben das Privileg in Frieden aufzuwachsen. Warum denken dann aber einige Eltern, dass Gewalt an Kindern förderlich wäre? Wenn wir eine gewaltlose Welt wollen, muss das schon bei der Erziehung von Kindern beginnen. Wenn sich eine Gesellschaft weiterentwickeln will, darf sie nicht an Althergebrachtem festhalten. Im alten Rom diente es der Unterhaltung, Menschen in Arenen auf Leben und Tod gegeneinander kämpfen zu lassen. Im letzten Jahrhundert waren Stockschläge noch ein probates Mittel zur Erziehung. Heute sind solche Gegebenheiten undenkbar und wir wissen: Eine Erziehung, die nur auf Einschüchterung und Gehorsam beruht, ist nicht mehr zeitgemäß. Wenn Kinder Gewalt vorgelebt bekommen, wird das für sie zur Normalität – wie man es bei den Franzosen sehen kann. Wenn einem Kind die Liebe entzogen wird, entwickelt es psychische Schäden.

Was sich alles später rächen kann, wenn dann noch gesellschaftliche und soziale Komponenten hinzukommen und das „verzogene“ Kind beeinflussen …

Man muss sich klar darüber sein, dass es bei Erziehungsmaßnahmen nicht darum geht, Macht zu demonstrieren oder das Kind zu erniedrigen. Es geht lediglich um das Verhalten des Kindes und darum ihm aufzuzeigen, dass es den ein oder anderen Fehler kein zweites Mal begeht. Kinder wollen ihren Eltern immer gefallen und begehen nichts mit bösen Hintergedanken. Und sie lieben ihre Eltern, vergöttern sie, ohne Einschränkungen. Man muss ihnen nur zeigen, was falsch und richtig ist, weil sie es nicht von selbst wissen können. Wenn man sich dies stets vor Augen hält, kommt man in der Regel von ganz allein darauf, wie man sein Kind erziehen kann, ohne es gleich zu verprügeln oder ihm die Liebe zu entziehen. Auch wenn dieser Weg manchmal anstrengender ist.

Wir werden schon nicht zurück in die Barbarei verfallen, wenn wir anfangen, unsere Kinder anders zu erziehen als all die Generationen vor uns.

Aufruf zur Blogparade „Prügelstrafe: Hiebe statt Liebe“

Und nun sind meine geschätzten Blogger-Kollegen an der Reihe. Was sind Eure Gedanken zu diesem Thema? Wie handhabt Ihr die Erziehung Eurer Kinder? Was denkt Ihr über die Prügelstrafe? Habt Ihr Tipps zu „gewaltfreien“ Strafen? Könnt Ihr konkrete Situationen nennen, anhand denen Ihr anderen Eltern aufzeigt, wie man es besser machen kann?

Da gerade die Feriensaison beginnt, soll die Blogparade zwei Monate laufen und am 14. September 2015 enden. Danach erfolgt eine Auswertung und alle Beiträge zum Thema werden entsprechend noch einmal in einer Übersicht verlinkt. Wichtig: Damit ich sehe, wer sich an der Aktion beteiligt, muss der jeweilige Beitrag auf diesen Artikel hier verlinken.

Und damitdas Ganze in Schwung kommt, bitte ich Euch, andere Family-Blogger zu einem eigenen Beitrag aufzufordern. An dieser Stelle nominiere ich folgende Blogs:

Familienbetrieb , Ich bin dein Vater , Papaleaks , Opas Blog , SuperPapas.de , Weddinger Berg , Daddy Dahoam , I am your Father , Mamagogik , Krachbumm , bleibCOOLmami , Werdenundsein

Wer keinen eigenen Blog betreibt, kann aber auch gern hier im Kommentarbereich seine Meinung hinterlassen und so vielleicht eine Diskussion starten.