BITKOM: Gaming hat sich etabliert

Zwei von fünf Bundesbürgern (42 Prozent) ab 14 Jahren spielen Computer- oder Videospiele, was rund 30 Millionen Personen entspricht. Das hat eine repräsentative Umfrage zur Verbreitung und Nutzung von Games in Deutschland im Auftrag des Digitalverbands Bitkom ergeben. Zum Vergleich: Vor zwei Jahren waren es erst 25 Millionen Spieler. „Gaming hat sich fest etabliert und zählt neben Musik- oder Filmangeboten zu den beliebtesten digitalen Medien“, sagte Bitkom-Chefvolkswirt Dr. Axel Pols im Vorfeld der Spielemesse Gamescom bei der Vorstellung der Studienergebnisse. Die mit Abstand meisten Gamer finden sich unter den Jüngeren: 81 Prozent der 14- bis 29-Jüngeren spielen digital. Allerdings ist Gaming längst kein reines Jugendphänomen mehr: In der Altersgruppe zwischen 30 und 49 Jahren ist mehr als jeder zweite Deutsche (55 Prozent) ein Gamer. Unter den 50- bis 64-Jährigen sind es 25 Prozent und in der Generation 65-Plus spielen immerhin 11 Prozent Computer- oder Videospiele.

Nach den Ergebnissen der Umfrage nimmt das Interesse der Nichtspieler an Gaming zu. Mehr als jeder vierte Bundesbürger (26 Prozent), der bisher keine Video- und Computerspiele spielt, kann sich das in Zukunft vorstellen. Vor zwei Jahren war es noch jeder Sechste (17 Prozent). Gaming ist bei Männern und Frauen mittlerweile gleich beliebt. Zum ersten Mal ist der Anteil an männlichen (43 Prozent) und weiblichen (42 Prozent) Gamern etwa gleich hoch.

Unter den Game-Genres sind Gelegenheitsspiele mit 56 Prozent am gefragtesten. „Casual Games zeichnen sich durch kurzweilige, unkomplizierte Unterhaltung aus und werden gerne unterwegs gespielt“, sagte Pols. Jeweils die Hälfte der befragten Gamer spielt Strategie- und Denkspiele (50 Prozent) sowie Actionspiele (50 Prozent), zu denen auch die so genannten Egoshooter gehören. 48 Prozent nutzen Social Games, die in der Regel mit sozialen Netzwerken verknüpft sind. Etwas weniger (46 Prozent) spielen Renn- und Sportspiele. Mit 38 Prozent zählen Jump’n’Runs ebenfalls zu den am häufigsten gespielten Game-Genres. Dabei muss eine vom Gamer gesteuerte Spielfigur Hindernisse überspringen, um ihr Ziel zu erreichen.

Als Gaming-Plattformen dienen häufig Mobilgeräte. Die beliebteste Plattform ist das Smartphone, auf dem acht von zehn Gamern (78 Prozent) spielen. Vor zwei Jahren spielten erst 44 Prozent der Gamer mit Smartphone oder Handy. Etwa sieben von zehn Gamern (67 Prozent) nutzen einen Laptop und vier von zehn (39 Prozent) einen Tablet Computer. Jeder Dritte spielt mit einer mobilen Spielkonsole (33 Prozent). Stationäre Geräte bleiben trotzdem beliebt: Gut zwei Drittel der Gamer (69 Prozent) spielt auf dem stationären PC und etwa zwei Fünftel (43 Prozent) auf einer stationären Spielkonsole.

Bereits etwa jeder achte Gamer (12 Prozent) nutzt synchronisiertes Gaming, also die Option, dasselbe Spiel auf mehreren Endgeräten zu spielen. Das entspricht rund 4 Millionen Menschen. „Ein Nutzer kann ein Game beispielsweise zu Hause auf dem PC oder Laptop beginnen und unterwegs mit dem Smartphone oder Tablet Computer fortführen“, so Pols.

Neue Geräte wie die Smartwatch sind bei Gamern im Kommen: Mehr als jeder vierte Gamer (27 Prozent) interessiert sich dafür, künftig die intelligente Uhr als Spiele-Plattform zu nutzen. Während 17 Prozent angeben, daran „sehr interessiert“ zu sein, sind weitere 10 Prozent an dieser Möglichkeit „eher interessiert“. Außerdem sind Virtual-Reality-Brillen ein wichtiger Gaming-Trend . Die Brillen versetzen ihre Nutzer in imaginäre 3D-Welten. Jeder fünfte Bundesbürger (20 Prozent) kann sich vorstellen, eine solche VR-Brille wie etwa Oculus Rift, HoloLens oder Sony Morpheus zu nutzen. Pols: „Virtual-Reality-Brillen ermöglichen ein völlig neues, realitätsnahes Spielerlebnis. Das wird den Games-Markt stark beeinflussen.“

Die Live-Übertragung von Computer- und Videospielen im Internet ist ebenfalls beliebt. Jeder sechste (17 Prozent) Gamer hat sich bereits Spiele anderer Gamer auf Portalen wie Twitch, Ustream, Hitbox oder Azubu angesehen.

Livestreams von Computerspielen sind wichtiger Gaming-Trend

Die Live-Übertragung von Computer- und Videospielen im Internet ist ein beliebter Trend im Gaming: Jeder sechste (17 Prozent) Gamer in Deutschland ab 14 Jahre hat sich bereits Spiele anderer Gamer auf Portalen wie Twitch, Ustream, Hitbox oder Azubu angesehen. Das zeigt eine weitere Umfrage im Auftrag des Digitalverbands Bitkom. „Video-Livestreams von Computerspielen haben eine beständig wachsende Fangemeinde, die jetzt schon weltweit mehrere Millionen Gamer vereint“, sagt Bitkom-Experte Timm Lutter. Das Potenzial der Gaming-Streams sei noch längst nicht ausgereizt. Laut Umfrage kann sich jeder Zehnte (10 Prozent) vorstellen, in Zukunft live Spiele zu verfolgen.

Auf speziellen Streaming-Plattformen zeigen Gamer in Echtzeit ihr Spielerlebnis und kommentieren das Geschehen. Die Zuschauer können dabei mit dem Spieler und anderen Nutzern per Chat kommunizieren. Jeder hat seinen eigenen Kanal, dem interessierte Zuschauer folgen können, damit sie kein Livespiel verpassen. „Mit ihren Kanälen sind manche Spieler regelrechte Superstars in der Gaming-Szene“, so Lutter.

Häufig treten Gamer auf den Portalen in digitalen Turnieren gegeneinander an, die auch als E-Sports bekannt sind. Solche Wettkämpfe werden mittlerweile ebenfalls als öffentliche Großveranstaltung ausgetragen. Lutter: „Auch hierzulande strömen Zehntausende in Stadien und verfolgen dort live E-Sports-Turniere auf der Großleinwand.“

Text/Grafik: BITKOM