Lernen am Smartphone – ist es möglich? [Gastartikel]

Ist es wirklich möglich, dass sich ein Kind sinnvoll mit dem Smartphone weiterbildet? Welche Maßnahmen sollen Eltern ergreifen, wenn ihr Kind mit einem mobilen Endgerät lernen möchte?

Im heutigen Informationszeitalter wird der Druck für Heranwachsende sich so früh wie möglich mit neuen Medien und Technologien auseinanderzusetzen immer größer. Nicht selten haben Eltern Angst vor Ausgrenzung oder davor, die berufliche Zukunft ihrer Kinder zu zerstören, wenn sie ihnen den Zugang zu brandneuen technischen Errungenschaften und neuartigen Lernmethoden verwehren. Viele Experten wie der Medienpädagoge Martin Müsgens stehen diesen Entwicklungen skeptisch gegenüber.

Müsgens stellt sich im Zuge der Berichterstattung “So lernen Kinder den Umgang mit dem Internet”  nicht gegen den Lerneffekt mithilfe von Applikationen, sondern plädiert darauf, dass Kinder bis 11 Jahre sie nicht alleine nutzen sollten. Die Nutzung von technischen Lernhilfen soll seiner Meinung nach gemeinsam mit den Erziehungspersonen erfolgen; nicht altersgerechte Inhalte liegen nämlich leider oft nur einen Klick entfernt. Die freie Nutzung des Internets sollte vor allem im Kindergartenalter noch keine Rolle spielen, denn das umfangreiche Angebot an Medieninhalten überfordert Kleinkinder. Müsgens sagt, dass eine eingehende Medienerziehung und der überwachte Zugang zu Smartphones der Schlüssel zum Erfolg sind.

Wegen des unübersichtlichen Angebots an Applikationen und der Angst vor unbewussten Gefahren, verweigern manche Eltern ihren Kindern den Zugang zu mobilen Endgeräten. Um derartige Probleme nicht aufkommen zu lassen, rät die EU-Initiative klick-safe  dazu im Rahmen der Familie Spielregeln im Umgang mit dem mobilen Netz festzulegen, damit für keine der Parteien Unklarheiten betreffend einer altersgemäßen und verantwortungsvollen Nutzung bestehen.

Die Anzahl an neu entwickelten Applikationen ist schier endlos, weshalb es vielen Vätern und Müttern nicht leicht fällt, eine altersgerechte Lernhilfe für den Nachwuchs aufzuspüren. Unterstützung in einer derartigen Situation bietet beispielsweise klick-tipps.net . Gemeinsam mit der Stiftung Lesen  veröffentlicht der Empfehlungsdienst für gute Kinderseiten jeden ersten Donnerstag im Monat eine wertvolle App für Kinder. Ein weiteres umfangreiches Angebot erstellte das Team des Media Literacy Labs  in Kooperation mit Studierenden, Medienpädagogen, Lehrpersonen und Eltern. Jede Applikation der Datenbank “Gute-Apps-für-Kinder.de” wurde mithilfe eines Kriterienkatalogs eingehend getestet und anschließend dokumentiert. Diese Materialien sollen Eltern eine Hilfestellung bei der Einschätzung von Applikationen bieten.

Kinder brauchen Regeln – dieser Grundsatz muss auch im Umgang mit neuen Medien gelten. Aber Rechte und Einschränkungen sollten im Rahmen der gesamten Familie festgelegt werden. Überlegen sie gemeinsam, welche Inhalte für das Kind am wichtigsten sind und erarbeiten sie feste Nutzungszeiträume. Es ist von größter Wichtigkeit, dass man als Elternteil eine Vorbildrolle einnimmt. Denn als wichtigste Bezugspersonen sollten Erziehungsberechtigte ihren Kindern vorleben, wie man reale wie digitale Inhalte kritisch nutzt und wissen, welche Gefahren die Kleinkinder beeinflussen könnten. Mit diesen Tipps und Tricks, steht einem altersgerechten Lernerfolg mithilfe des Smartphones nichts mehr im Wege.