Neues internationales System IARC: USK vergibt Alterskennzeichen für Online-Spiele und Apps

Die Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) gab gestern bekannt, dass sie als Mitgründerin der “International Age Rating Coalition” (IARC ) gemeinsam mit anderen offiziellen Institutionen auf der ganzen Welt Alterskennzeichen nun auch für Online-Spiele und alle anderen Arten von Apps vergibt. IARC ist eine bislang nie dagewesene internationale Kooperation, die erstmals regional eigenständige Jugendschutzbewertungen innerhalb eines einheitlichen globalen Systems für Millionen von Apps ermöglicht. Als erste Plattformen haben sich Google Play Store und Firefox Marketplace dem System angeschlossen. Weitere Partner wie Microsoft Xbox Live Store, Nintendo eShop und PlayStation Store werden zu einem späteren Zeitpunkt erwartet.

Das IARC-System umfasst die Alterskennzeichen der USK (Deutschland), PEGI (Europa), ESRB (Nordamerika), Classification Board (Australia) und ClassInd (Brasilien). Die länderspezifischen kulturellen Normen und lokalen Kriterien werden dabei berücksichtigt. Zudem werden die Nutzer durch zusätzliche Inhaltsdeskriptoren informiert.

„Wir sind stolz, als eines der Gründungsmitglieder IARC wesentlich mitentwickelt zu haben“, so Felix Falk, Geschäftsführer der USK und stellvertretender IARC-Vorsitzender. „Der Markt für Online-Spiele und Apps wächst explosionsartig und erst mit IARC wird nun ermöglicht, dass Jugendschutz trotz der vielen regionalen Unterschiede auch auf globaler Ebene in diesem Markt funktioniert. Google und Mozilla haben die Vorteile des IARC-Systems erkannt und wir freuen uns, dass sie Teil dieser wegweisenden Initiative sind.“

Eltern können für ihre Kinder die Altersbeschränkungen für Apps auf Grundlage der neuen Alterskennzeichen einstellen, sobald die Alterskennzeichen in den kommenden Wochen auch im Google Play Store für Nutzer verfügbar sind.

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IARC im Detail:

Mit der Gründung der International Age Rating Coalition (IARC) im Jahr 2013 gelang es erstmals, eine offizielle Zusammenarbeit von zuständigen Stellen weltweit zu etablieren, in der sich diese auf ein gemeinsames Klassifizierungsverfahren einigten. Entwickler können das IARC-System kostenlos auf dafür lizenzierten Vertriebsplattformen nutzen. Nachdem sie den einheitlichen Fragebogen ausgefüllt haben, erhalten sie unmittelbar nach dem Abschluss Alterskennzeichen sowie Inhaltsdeskriptoren für die verschiedenen Territorien auf der Welt. Diese zertifizierten IARC-Einstufungen werden von der Plattform für die jeweilige Region ausgespielt. IARC und die teilnehmenden Institutionen sind für die Kontrolle der Alterseinstufungen zuständig. In Deutschland überwacht die USK die Richtigkeit ihrer Kennzeichen und kann bei Bedarf unmittelbare Korrekturen vornehmen. Das erklärte Ziel von IARC ist es, Nutzern digitaler Inhalte im Allgemeinen aber vor allem auch Eltern die Information über die bewährten und glaubwürdigen Einstufungen zu bieten – unabhängig von dem genutzten Gerät.

Die an IARC teilnehmenden Institutionen repräsentieren gemeinsam Länder mit einer Bevölkerung von ca. 1,5 Milliarden Menschen. Dazu gehören:

Institutionen weiterer Länder planen, sich dem System ebenfalls anzuschließen. Für Regionen ohne eigene Organisation werden zudem generische IARC-Ratings vergeben.

In Deutschland ergänzt das IARC-System das bestehende System der USK zur Einstufung von Computer- und Videospielen für den stationären Handel auf Grundlage des Jugendschutzgesetzes.

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Reaktionen aus Politik und Jugendmedienschutz:

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[wc_accordion_section title=”Manuela Schwesig, Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend“]

„Mit IARC berücksichtigt ein internationales System zur Alterseinstufung von Apps auch deutsche Standards: Die Mitwirkung der USK ermöglicht es, dass der Jugendschutz bei Spielen auf DVDs und in den App-Stores nach vergleichbaren Prinzipien funktioniert. Eltern haben so die Chance, auch auf den Smartphones und Tablets für ihre Kinder Spiele und Apps anhand der bekannten Altersstufen auszuwählen.“

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[wc_accordion_section title=”Dorothee Bär, Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur“]

„Computerspiele sind so attraktiv, weil man sie auf den unterschiedlichsten Plattformen spielen kann: Gerade Kinder und Jugendliche nutzen immer häufiger Tablets oder ihre Smartphones. Jetzt ist mit der Integration von IARC in den Google Play Store ein wichtiger Schritt gemacht, der jungen Spielerinnen und Spielern sowie ihren Eltern Orientierung auf Basis der deutschen USK-Regelungen geben kann. Ich wünsche mir, dass sich auch Amazon, Apple und andere wichtige Plattformen schnellstmöglich dem IARC-System anschließen.“

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[wc_accordion_section title=”Siegfried Schneider, Präsident der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM), Vorsitzender der Kommission für Jugendmedienschutz (KJM)“]

„Es ist ein großer Erfolg, dass es der USK gelungen ist, die deutsche Perspektive des Jugendschutzes mit spezifischen Kriterien in das globale IARC-System zu integrieren. Mit dem Entschluss, IARC zum Plattformbestandteil zu machen, nehmen Mozilla und Google eine wichtige Vorreiterrolle ein. Ich kann nur hoffen, dass sich noch viele weitere Plattformen dieser zukunftsweisenden Initiative anschließen werden.“

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[wc_accordion_section title=”Ekkehard Mutschler, Jugendmedienschutzbeauftragter, Deutscher Kinderschutzbund Bundesverband e. V.“]

„Der Deutsche Kinderschutzbund begrüßt, dass Google nach Mozilla das System der International Age Rating Coalition (IARC) zur Alterskennzeichnung von Spielen und Apps im Play Store einführt. IARC ist ein in Deutschland mitentwickeltes internationales System, das den Jugendschutzstandards in Deutschland entspricht. Der Deutsche Kinderschutzbund begrüßt insbesondere, dass Eltern nun mit bewährten und glaubwürdigen Alterseinstufungen App-Downloads in Google Play für ihre Kinder beschränken können. Mit IARC zieht ein neuer Jugendschutz für das Internet ins Kinderzimmer ein.“

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[wc_accordion_section title=”Lars Klingbeil, Mitglied des Deutschen Bundestages, Netzpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion“]

“IARC ist endlich einmal ein zeitgemäßes System des Jugendmedienschutzes und ein Instrument eines modernen Jugendschutzes durch Technik für die digitale Gesellschaft. Besonders freue ich mich, dass die USK damit über die Vergabe reiner Alterskennzeichen für Spiele hinausgeht. Gut ist auch, dass das System dem Nutzer zusätzliche Informationen und Hinweise über mögliche Nutzerinteraktionen oder die Weitergabe von Standortdaten bieten kann. Das bedeutet für Nutzer eine wertvolle Unterstützung und kann einen wichtigen Beitrag zum kompetenten Umgang mit Medien und zur Datensouveränität leisten.”

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[wc_accordion_section title=”Jutta Croll, Geschäftsführerin des Zentrums für Kinderschutz im Internet – I-KiZ“]

„IARC setzt auf internationale Zusammenarbeit und Qualitätssicherung durch national anerkannte Einrichtungen. Das ist eine gute Grundlage, um mit der altersdifferenzierenden Kennzeichnung von Inhalten einen vorausschauenden Jugendmedienschutz “von Anfang an” zu praktizieren. Das I-KiZ – Zentrum für Kinderschutz im Internet wirbt unter dem Begriff „Safety by Design“ dafür, dass Unternehmen durch frühzeitige Berücksichtigung von Jugendschutzaspekten zu einem sicheren Internet für Kinder und Jugendliche beitragen. Die Entscheidung von Google, IARC für die Alterskennzeichnung von Android-Apps zu nutzen, markiert hier einen Durchbruch.“

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Quelle Text/Infografik: USK