Project Spark: Spielend Spiele entwickeln

Microsoft hat in der Spielewelt noch großes vor. Vor kurzem übernahm der Konzern aus Redmond für schlappe 2,5 Milliarden US-Dollar den allseits bekannten Indie-Spiele-Hit Minecraft.

In dem Spiel kann der Spieler Konstruktionen aus zumeist würfelförmigen Blöcken in einer 3D-Welt bauen. Außerdem kann der Spieler diese Welt erkunden, Ressourcen sammeln, gegen Monster kämpfen und die Blöcke zu anderen Gegenständen weiterverarbeiten. In Minecraft gibt es hauptsächlich zwei Spielmodi: den Überlebensmodus, in dem der Spieler Ressourcen sammeln muss und eine Gesundheitsleiste hat, und den Kreativ-Modus, in dem es keine Gesundheit gibt und dem Spieler unbegrenzte Mengen an Ressourcen zur Verfügung stehen.

(Quelle: Wikipedia)

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Übrigens: Das Spiel ist längst in den Klassenzimmern angekommen. Eine schwedische Schule hat vergangenes Jahr einen Minecraft-Kurs zum Pflichtfach erhoben, in anderen Ländern nutzen Lehrer Mods wie MinecraftEdu, um den Schülern Themen wie Logik, Planung und Teamgeist beizubringen. Das Spiel fördert die Zusammenarbeit ebenso wie Planung. Es gilt als pädagogisch wertvoll, auch wenn der Suchtfaktor bisweilen als Kritikpunkt angeführt wird.

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Mit Project Spark startete Microsoft schon vor einem halben Jahr ein ähnliches Projekt in die Beta-Phase, das gleichermaßen Videospieler und auch kreative Macher begeistern soll. Besagtes Spiel hat besagte Beta-Phase nun hinter sich gelassen. Ab sofort ist Project Spark für die Xbox One und Windows 8.1 als Free-to-Play-Titel per Download erhältlich.

Worum geht es in Project Spark?

Project Spark ist gleichermaßen Spiele-Plattform und Spiele-Editor. Zum einen finden die Spieler hier eine Vielzahl unterschiedlichster Games vor: Von Adventures, über klassische Jump ‘n’ Runs, bis hin zu kleinen Rollenspielen wird vieles geboten. Des Weiteren können sie die Schöpfungen anderer Nutzer spielen, bearbeiten und bewerten. Mit dem Spiele-Editor lassen sich schließlich komplette Spiele von Grund auf erstellen und mit der Community teilen. Mehr als eine Million Project Spark Creators haben laut offiziellem Xbox-Blog in den vergangenen sechs Monaten über 70.000 Level in 4 Millionen Stunden erstellt.

Wer Project Spark zum ersten Mal startet, hat die Auswahl zwischen besagtem Spiel- oder Entwickler-Modus. Der Entwickler-Modus startet mit einem Tutorial, das die Grundprinzipien der Spielentwicklung im Programm erklärt. Dabei werden Spielfiguren in der Welt platziert und mit einer KI, einem “Gehirn” ausgestattet, das unter anderem die Gesinnung (Freund oder Gegner) oder die Steuerungsoptionen (was geschieht beim Druck auf welche Tasten) enthält.

Anschließend formen die Nachwuchs-Entwickler die Spielwelt, reichern diese mit verfügbaren Objekten an und definieren die Spielziele. Wollen die Creators ihre Figuren individueller gestalten, können sie ihnen mit der Bewegungssteuerung Kinect auf der Xbox One individuelle Bewegungen und Sounds verpassen. Für jede Lektion und durch erfolgreiches Beenden von Levels erhalten die Entwickler Münzen, die sie wiederum in zusätzliche Materialien, Spielfiguren oder größere Missionen investieren können.

Weitere Inhalte können erspielt oder gekauft werden. Es gibt auch eine Kaufversion auf einem Datenträger, hier sind Downloads im Wert von über 80 US-Dollar enthalten, während die Disc rund 40 US-Dollar kostet. Das Ganze wird als Starter-Pack bezeichnet.

Minecraft und Project Spark – Wohin geht die Reise?

An dieser Stelle kann ich selbst nur Vermutungen anstellen. Minecraft revolutioniert seit seiner Veröffentlichung im Jahr 2009 die Welt der Videospiele mit seinem Fokus auf nutzergenerierte Inhalte. Stärker denn je verschwimmen hier die Grenzen zwischen Spielern und Entwicklern. Die Spiele-Industrie reagierte schnell. Sony spendierte 2011 seinem Spiel Little Big Planet 2 einen solchen Editor, Valve, die Erfinder des berühmt-berüchtigten Counter-Strike, fördern mit Tools wie dem Source Film Maker die Kreativität der Spieler. Und viele andere sollten folgen.

Seit langem gehört es zum guten Ton, dass vor allem PC-Spieler Werkzeuge in die Hand gedrückt bekommen, um durch Mods oder Karten das Spielerlebnis zu verlängern. Ein paar wenige Spieler schaffen sogar eigenständige Spiele mit diesen Werkzeugkästen der Entwickler. Doch diese Tools waren meist umständlich zu bedienen und erforderten gewisse Grundkenntnisse im Umgang mit Programmiersprachen.

Hier setzt nun Project Spark an. In Project Spark erlernt man quasi spielerisch das Programmieren. Die Software führt das fort, was Minecraft begonnen hat. Nicht nur die Grenze zwischen Spielern und Entwicklern verschwindet, auch die Einstiegshürden für das Erstellen von eigenen Inhalten werden beseitigt.

Project Spark ist eine Weiterentwicklung des Kodu Game Lab, einer visuellen Programmierumgebung, die Microsoft bereits 2009 veröffentlichte. Diese Software war vor allem für den Einsatz in Schulen für Kinder ab acht Jahren gedacht und ermöglicht das spielerische Erstellen von simplen Games. Die Software ist derzeit eng mit Microsofts experimentellen Social Network Socl verknüpft, das ich in diesem Beitrag bereits näher vorgestellt habe.

Die Anwendungen von Project Spark sind komplexer als die von Kodu. Sie ermöglichen es den Nutzern dadurch, größere Projekte zu erstellen. Die Nutzer müssen also keinen Quellcode schreiben und lernen trotzdem Programmierprinzipien wie “Wenn A, dann B über C” kennen. Ein Hobby-Entwickler hat beispielsweise schon geschafft, ein komplettes Level aus dem Rollenspiel Fable nachzubauen.

Microsoft hat meiner Meinung nach die Zeichen der Zeit erkannt und stellt die Weichen für die Sicherstellung des Nachwuchses. Kids und auch Erwachsene werden spielerisch an das Programmieren herangeführt. Windows 10 ist Microsofts neue Basis für das Internet der Dinge. Das Szenario, das ich in meinem Essay beschrieben habe, nimmt also langsam Realität an. Es werden neue Berufe entstehen und Projekte wie Minecraft oder Project Spark sind die ersten Anzeichen dafür, dass die Industrie sich auf diese neue digitale Revolution vorzubereiten beginnt. Denn ohne Menschen, die in der Lage sind, die Grundsteine für diese Entwicklung zu legen, wäre das kaum schaffbar.