Erfahrungsbericht und Test zum Microsoft Surface 2 bzw. zu Tablets mit Windows RT im Familienalltag

Bevor ich meinen Senf zum Surface 2 ablasse, vorher noch eine kleine Bemerkung zum Verständnis: dies soll kein Test sein, wie ihn die beliebigen anderen Tech-Portale bieten. Denn dies hier ist kein Tech-Portal für Geeks, sondern ein Portal für Eltern, die Hilfe und Rat suchen oder brauchen in der schnell-lebigen digitalen Welt. Ich habe weder die Zeit noch die Möglichkeit, ein solches Gerät von allen Seiten mit der Lupe zu betrachten oder tausend künstliche Szenarien laufen zu lassen, in denen ich die Akkuleistung mit der Stoppuhr bewerte. Meine Eindrücke, die ich hier schildere, sind rein subjektiv und sind vor allem für die Leser gedacht, die sich bisher kein Bild machen können von einem Windows 8 Tablet im Allgemeinen oder gar einem Surface 2 im Speziellen. Wer einen rein technischen Test sucht, dem empfehle ich den Artikel von Profis wie notebookcheck.com oder den Bericht von den Blogger-Kollegen wie WParea.de.

Die Besonderheit: Windows RT

Bevor ich aber genauer meine Erfahrungen mit dem Tablet schildere, muss ich an dieser Stelle noch einmal explizit auf den Unterschied zwischen Windows 8.1 und Windows 8.1 RT eingehen. Das normale Windows 8.x ist das Windows, wie wir es alle kennen. Es gibt hier nur zwei Versionen: Windows 8.x und Windows 8.x Pro.

Windows 8.x RT dagegen ist ein völlig neuer Weg für Microsoft. Es unterscheidet sich auf den ersten Blick kaum von den “normalen” Windows-Versionen, da sie auf der selben Grundlage programmiert wurden, ist aber speziell angepasst für Smartphone-Prozessoren. Diese Smartphone-Prozessoren werden (fast) alle auf Basis einer sogenannten ARM-Lizenz entwickelt und hergestellt. Bekannteste Hersteller wären hier derzeit Qualcomm und Marvell. Da Windows 8.x RT auf einem Smartphone-Chip läuft, funktionieren hier nicht die herkömmlichen Windows-Programme, wie z.B. Photoshop oder iTunes. Statt dessen ist man auf die Bordmittel von Windows RT angewiesen oder installiert sich Apps aus dem App-Store.

Windows RT ist also nicht mit dem normalen Windows zu vergleichen, sondern eher mit mobilen Betriebssystemen wie Android von Google und iOS von Apple. Großer Vorteil von Windows RT gegenüber Android und iOS liegt aber in der engen Verwandtschaft zum normalen Windows: von Haus aus werden viele Zusatzgeräte wie externe Festplatten, Mäuse, Tastaturen und sogar Drucker unterstützt. Außerdem liefert Microsoft mit Windows RT ein vollwertiges Office mit. Dieses Office enthält Word, Excel, PowerPoint, OneNote und Outlook – also alles, was man im vor allem als Privatanwender in der Regel braucht. Und das ohne Aufpreis.

Surface 2 im Alltag

Mit dem enthaltenen Office-Paket hätten wir also schon einen Punkt abgehakt: dadurch, dass ich jederzeit ein Word-Dokument öffnen oder verfassen, E-Mails abrufen oder Notizen mit OneNore abgleichen konnte, ließ mich das Surface 2 schnell vergessen, dass ich es nicht meinem “herkömmlichen” Laptop zu tun hatte. Denn im Prinzip ist alles, was man für den digitalen Alltag benötigt, schon an Bord. So kann man mit dem Gerät Filme konsumieren, Musik hören, sich mit Spielen die Zeit totschlagen und sogar wirklich produktiv arbeiten. Wie mit einem normalen Laptop, nur dass man eben genau genommen ein Tablet in Händen hält.

Erste Probleme gab es bei der Foto-Bearbeitung. Ich habe für meinen Job eine Spiegelreflex-Kamera im Einsatz – derzeit gibt es jedoch keine App im Store, mit welcher ich die speziellen DNG-Dateien öffnen und bearbeiten kann. Das wird sich aber mit Sicherheit noch ändern. Dieses spezielle Einsatzgebiet fiel also schon einmal grundsätzlich weg.

Kleiner Tipp: Wer im Urlaub auf Windows RT setzt und eine solche Kamera benutzt muss wohl damit leben, dass er derzeit das Tablet nur als Auslagerungsspeicher für die Dateien nutzen kann.

Was ich noch (beruflich) vermisst habe waren sämtliche anderen Profi-Anwendungen von Adobe: kein Bildbearbeitungsprogramm mit dem Umfang von Photoshop, kein Acrobat, kein InDesign. Ist aber weniger schlimm, denn mal ehrlich: das Surface 2 hat einen 10 Zoll Bildschirm. Da macht Bildbearbeitung oder Gestalten keinen Spaß – für solche Szenarien bevorzuge ich einen großen Bildschirm. Dennoch konnte ich mit dem Tablet arbeiten. Wer zum Beispiel Webseiten designen will, der kann das auch vom Tablet aus. Und genau das habe ich damit gemacht – gemütlich abends vorm Fernseher auf der Couch.

Auch sonst erwies sich das Surface 2 als nützlicher Begleiter im Alltag. Wenn man etwas nachschlagen wollte, war es schnell zur Hand, schnell aus dem Standby geholt (halt wie beim Smartphone) und schnell wieder weg gelegt. War man mal unterwegs und wollte etwas im Internet recherchieren – auch kein Problem, vorausgesetzt, man hat einen WLAN-Spot in der Nähe oder sein Smartphone mit dabei. Denn das Surface 2 verfügt nicht über mobiles Internet via SIM-Karte, nur WLAN steht zur Verfügung.

Um Videos zu konsumieren gibt es verschiedene Apps wie XBox Video, Maxdome und Netflix. Für Musik stand mir u.a. XBox Musik, Wimp oder Deezer zur Verfügung. Oder man zieht sich seine eigenen Videos und MP3s auf eine microSD-Speicherkarte, die im Gehäuserücken verschwindet, ohne aufzufallen. Der Slot dafür kommt erst zum Vorschein, wenn man den äußerst praktischen Kickstand öffnet.

Der Kickstand ist ein wahres Highlight der Surface-Modelle. Beim Surface 2 lässt er sich in zwei Positionen ausklappen, dies erleichtert je nach Verwendung die Bedienung enorm. Durch den Kickstand kann man das Tablet jederzeit und überall im Quer- als auch im Hochformat aufstellen. Was den Umgang noch erleichterte war das Tastatur-Cover. Die Tastatur-Cover dienen gleichzeitig als Immer-dabei-Tastatur und Display-Schutz. Mir stand zum Test ein Touch-Cover 2 zur Verfügung, jedoch muss ich sagen, dass ich mich in der ganzen Zeit nicht damit anfreunden konnte. Es eignet sich wirklich nur für Gelegenheitsnutzer, die ab und zu mal Texte mit dem Wortumfang einer SMS schreiben wollen – mehr geht einfach nicht. Ständig habe ich mich vertippt, vor allem die Leertaste war schlecht zu treffen. Was gut war: die beleuchteten Tasten. Ich empfehle jedoch für den produktiven Einsatz das Type Cover 2. Hier sind physische Tasten (auch mit Beleuchtung) vorhanden, mit denen es leichter fällt, längere Texte zu schreiben. Die Tastatur-Cover werden – wie der Strom-Anschluss – magnetisch gehalten.

Die meisten Texte, die ich im letzten Monat hier auf dem Blog online gestellt habe, sind übrigens am Surface 2 mit Einsatz des Touch Cover entstanden. Ich habe es also wirklich versucht, mich daran zu gewöhnen…

Was ist noch wichtig? Der Akku. Der ist wirklich schnell geladen – ich schätze, die Zeit von ganz leer auf ganz voll lag bei etwa zwei Stunden. Die Akkulaufzeit konnte mich auch beeindrucken. In Tests wird von 10 Stunden berichtet – ich habe es nicht gemessen, jedoch hat das Tablet wirklich lange durchgehalten. Ich musste es nur ein bis zwei Mal die Woche laden bei einer täglichen Nutzung von mindestens zwei Stunden.

Surface 2 im Familienalltag

Den ersten Familien-Einsatz bestand das Tablet im Auto. Es wurde von mir im Voraus mit einigen Filmen zur Unterhaltung bestückt und als dann der große Stau kam, konnte das Surface 2 unseren kleinen Mitfahrer auf der Rücksitzbank sehr gut ablenken. Selbst bei voller Fahrt war die Lautstärke nur auf 50 % gestellt, man konnte trotzdem alles bestens verstehen. Das Surface 2 ist kein Klangwunder, Filme und Spiele bringt es aber sehr gut rüber ohne Zusatz-Lautsprecher. Musik klingt nur mit Kopfhörern gut.

Apps für die Beschäftigung der Kleinen zwischendurch sind wenige, aber wirklich gute vorhanden. Aber auch für die Eltern ist einiges dabei. Kochbücher, Sport- und Automagazine, Reisen, etc. Für viele Themenbereiche gibt es Apps, irgendwas findet man immer. Ich habe jedoch nur wenige Apps installiert, da sie für den Alltag weniger von Bedeutung waren. Bei längerem Einsatz hätte sich dies wahrscheinlich geändert, im Testzeitraum reichten jedoch für die meisten Aufgaben die Bordmittel des Surface 2 vollkommen aus.

Mit der Windows-Funktion “Family Safety” war auch schnell ein Kinderkonto eingerichtet, um das Tablet mal unbeobachtet aus der Hand zu geben, ohne befürchten zu müssen, dass eine E-Mail mit kryptischen Zeichen an die Chef-Etage verschickt wird.

Sonstige Merkmale

Das Tablet an sich wirkt hochwertig verarbeitet. Das Metall-Gehäuse vermittelt einen besonders stabilen Eindruck und verhindert Fingerabdrücke. Diese sind jedoch naturgemäß auf dem Touchscreen immer präsent. Der Touchscreen reagiert schnell und präzise und ist ein perfekter Maus-Ersatz, wenn man das Tablet mit angestecktem Tastatur-Cover benutzt. Auch meine Funk-Maus wurde problemlos erkannt, denn das Surface 2 verfügt neben einem microHDMI-Anschluss auch über einen vollwertigen USB 3.0-Anschluss. Hier konnte man auch herkömmliche USB-Sticks verwenden – wirklich praktisch! Das vollwertige HD-Display (1080p) besitzt gute Blickwinkel und ist auch draußen ausreichend hell. Verzögerungen bei der Bedienung habe ich nie bemerkt. Das Tablet ist relativ leicht und gut zu halten. Mit dem Internet Explorer 11 lässt es sich wie am herkömmlichen Rechner ohne Einschränkungen surfen – sogar Flash wird unterstützt! Weitere Elemente am Gerät: Lautsprecherausgang, Powertaste, Lautstärketasten, Stereo-Lautsprecher, Frontkamera mit 3,5 Megapixel, auf der Rückseite die 5 Megapixel Hauptkamera sowie ein touch-sensitiver Windows-Button.

Weitere Technische Daten sind hier zu finden.

Fazit

Ich hatte einiges von diesem Tablet erwartet, doch das Surface 2 hat meine Erwartungen sogar noch weit übertroffen. Dadurch, dass es sich in der Bedienung wie ein normales Windows 8 – Gerät verhält, hatte ich keine Schwierigkeiten im alltäglichen Einsatz. Office-Programme werden im Desktop-Betrieb ausgeführt, 155.000 Apps im App-Store (Stand August 2014) lassen eigentlich kaum Wünsche offen und die Bordmittel decken bereits die meisten Einsatzbereiche von Anfang an ab. Die Office-Suite spart bares Geld, die Tastatur-Cover mit den beleuchteten Testen sind eine unschlagbare Ergänzung.

Das Surface 2 ist robust verarbeitet und hält auch Kinderhänden stand – sowohl von der Hardware, als auch von der Software.

Prinzipiell ist das Surface 2 in meinen Augen das perfekte Gerät für all Diejenigen, die gerne mit ihrem Tablet Surfen, Musik-Hören, Videos schauen oder Bilder betrachten wollen, gleichzeitig aber auch beispielsweise in der Uni oder daheim auf die Office-Fähigkeiten des Surface 2 angewiesen sind. Hier punktet das Tablet auch durch das Tastatur-Cover deutlich im Vergleich zu einem iPad oder der Android-Konkurrenz.

Wer mit seinem Tablet dagegen ernsthaft arbeiten möchte, also einen Zweit-Rechner oder gar Hauptrechner benötigt, und somit auf das volle Software-Angebot von Windows 8 angewiesen ist, sollte definitiv zu einem Tablet mit vollwertigem Windows 8 greifen. Hier empfiehlt sich zum Beispiel der Blick auf das neue Surface Pro 3.

Zur Ergänzung hier noch ein Video, das die Verarbeitung und Robustheit des Surface festhält: