Scolibri – Das digitale Klassenzimmer

Die Vermittlung von Medienkompetenz spielt an vielen Schulen noch immer eine eher untergeordnete Rolle. Viele Lehrer verfügen selbst über kaum vorhandene Medienkompetenz. Diese mangelnde Eignung verursacht eine nicht ausreichende Vorbereitung von Schülern auf das Berufsleben. Auch die Kommunikation zwischen Schülern, Lehrern und Eltern ist quasi im 19. Jahrhundert stecken geblieben, denn sie basiert vor allem auf viel Papier, was enorme Kosten verursacht. So hat eine Schule mit 1.000 Schülern und 40 Lehrern durchschnittlich Kopierkosten in Höhe von 60.000 Euro und einen Verbrauch von 1,5 Millionen Blatt Papier pro Jahr. Einige Lehrer haben die Zeichen der Zeit erkannt und nutzen digitale Dienste wie Gmail, Facebook und WhatsApp, um ihren Schülern Lehrmaterial und Informationen zuzusenden. Dabei handelt es sich aber um eine Notlösung, die von Schulen und den einzelnen Bundesländern geduldet wird, denn sie sind in keinster Weise datenschutzkonform. Es ist rechtlich problematisch, wenn Lehrer eine Ankündigung auf Facebook posten oder mit ihren Schülern bei Fragen zur Facharbeit E-Mails austauschen. Lehrkräfte in Baden-Württemberg, Bayern und Schleswig-Holstein dürfen diese Dienste nicht mehr beruflich nutzen, weil Schülerdaten besonders geschützt werden müssen. Es müssen Lösungen her. Eine umfassende Lösung will das deutsche Start-Up Scolibri gefunden haben.

Die Scolibri – Lernplattform

Die Scolibri UG wurde 2013 in Berlin von vier jungen Männern aus der Gemeinde Ascheberg gegründet. Das Unternehmen entwickelt Kommunikationssoftware für Schüler, Lehrer und ganze Schulen. Scolibri ist ein Learning Management System (LMS), das Schüler, Lehrer und Eltern bei der Organisation und Kommunikation im Schulalltag unterstützt. Es ermöglicht einer Schulgemeinschaft digitale Medien und mobile Endgeräte optimal in Lehre, Organisation und Außendarstellung einzubinden. Scolibri will dabei eine neue Ebene des digitalen Lernens erschaffen. Durch den einfachen Aufbau können Schüler und Lehrer genau die Werkzeuge auswählen, die ihren individuellen Anforderungen entsprechen. Das Ziel ist es, den Schulalltag für alle Beteiligten effizienter zu gestalten, damit sie sich auf das Wesentliche konzentrieren können – das gemeinsame Lernen. Scolibri soll dabei leicht bedienbar sein und auf veralteten Schulrechnern sowie auf Smartphones und elektronischen Tafeln laufen können. Des Weiteren kann das Onlinenetzwerk für Schulen die Vorteile mehrerer Plattformen vereinen. Zum einen bietet man die klassische Organisation von Unterrichtsstoff an, d.h. es können beispielsweise Hausaufgaben oder Unterrichtsmaterialien vom Lehrer online gestellt werden. Schüler dürfen Fragen stellen, geplant ist auch, Noten automatisch berechnen zu lassen. Zum anderen können Schulen sich der Öffentlichkeit auf einer Profilseite vorstellen, die voraussichtlich ab Herbst zur Verfügung stehen, und es ist Platz zum datenschutzkonformen sozialen Netzwerken. Private E-Mail-Adressen der Schüler sind dabei für Lehrer nicht sichtbar, denn jeder Nutzer bekommt eine eigene Scolibri-Adresse. Sämtliche Kommunikation wird verschlüsselt. Auch die Bildung von Lerngruppen wird ermöglicht, in denen sich die Schüler virtuell austauschen können, unabhängig vom Wohnort.

Besonderheiten für Lehrer

Für Lehrer wird die Nachbereitung des Schulunterrichts und dessen Auswertung erleichtert. Übersichten erstellen, Auswertungen machen, alles geht mobil von jedem Ort aus. Dadurch erhalten Lehrer mehr Zeit für die eigentliche Vorbereitung und sie können auch den Unterricht interessanter gestalten. Sämtliche Funktionen stehen den Lehrern in vollem Umfang kostenlos zur Verfügung. Es gibt außerdem eine Bibliotheks-Funktion, mit der Unterrichtsmaterialien angelegt und auch geteilt werden können. Über 50 Lehrmaterial-Anbieter sind in Scolibri integriert, alle Schulbuchanbieter und offenes Lehrmaterial stehen den Lehrern und auch Schülern auf der Plattform zur Verfügung. Die Einbindung der externen Anbieter befindet sich momentan noch in einer geschlossenen Erprobungsphase, wird aber bald für alle Nutzer verfügbar sein.

Kostenersparnis für Schulen

Die Kernfunktionen mit dem Hausaufgaben-Werkzeug, der Schülerverwaltung oder der E-Mail-Integration von Schülern sind im Preis-Modell von Scolibri teilweise kostenlos verfügbar. Schulen bekommen zwar eine kostenlose Demo-Phase und können die Funktionen in “einzelnen Silos” kostenlos nutzen, für die Vernetzung aller Nutzer muss eine Schule jedoch zahlen. Das heißt, Module wie Schüler- und Kursauswertungen, Schüler- und Notenübersichten oder eine Anbindung der Eltern an die Plattform sind nur kostenpflichtig verfügbar. Schulen können hier komplette Pakete kaufen, je nach individuellem Bedarf. Mit der Nutzung von Scolibri können in Schulen Kosten zwischen von 20 und bis zu 80 Prozent eingespart werden, wenn die üblichen Ausgaben für Leasing-Kosten von Druckern, Kopieren und Scannern sowie Papier, Toner und Administration sinken. Bereits bei Einsparungen von 20 Prozent sind die Ausgaben für Scolibri schnell amortisiert.

Die Web-App

Jeder Interessierte kann sich die App online ansehen, indem man sich in den Demo-Account ohne Registrierungszwang einloggt. Dort hat man die Wahl zwischen der Ansicht für Lehrer, Schüler und Eltern. Ich finde die Ansicht sehr übersichtlich und schlicht. Es wurde auf überflüssigen Schnick-Schnack verzichtet, damit die App wie versprochen auch auf älteren Geräten lauffähig ist. Es ist alles Wichtige vorhanden, um den Schülern und Lehrern endlich den Sprung ins digitale Klassenzimmer zu ermöglichen. Besonders gefällt mir, dass es jedem frei steht, Scolibri zu benutzen. Es besteht kein Zwang für die Schule, den Dienst erst zu kaufen, um ihn nutzen zu können. Lehrer können also sofort loslegen, ohne befürchten zu müssen, gegen den Datenschutz zu verstoßen. Und Schüler oder auch Eltern können sich untereinander vernetzen, ohne auf Facebook oder WhatsApp zurückgreifen zu müssen und gleichzeitig mit der Nutzung die Lehrer auf die Plattform aufmerksam machen.

Das digitale Schulbuch

Neben dem digitalen Klassenzimmer plant Scolibri auch das lange erwartete digitale Lehrbuch einzuführen. Möglich macht das die sogenannte E-Ink-Technik, wie man sie von E-Book-Readern wie dem Amazon Kindle kennt. Das Gerät wiegt um die 300 Gramm, der Akku hält bis zu sieben Wochen und das Display schont die Augen, da es über ein Papier-ähnliches Erscheinungsbild verfügt. Auch Notizen können mittels Touchscreen gemacht werden. Die Einführung des digitalen Schulbuchs ist ab 2017 geplant. Kombiniert mit den Vernetzungsmöglichkeiten und digitalen Inhalten dürfte man mit diesem Gerät kein Buch in gedruckter Form mehr benötigen. Damit darf sich nicht nur der Rücken der Schüler, sondern auch der Geldbeutel freuen. [wc_box color=”secondary” text_align=”left”] Die Vorteile von Scolibri im Überblick:

[/wc_box] Die auf jedem Gerät verfügbare Web-App steht Schülern, Lehrern und Eltern kostenlos zur Verfügung. Eine Android App steht bereits zum Download bereit, iOS soll bald folgen. Ab 2015 werden die Android und iOS Apps um kostenpflichtige Premium-Funktionen oder -Apps erweitert. Leider gibt es noch keine Apps für Windows oder Windows Phone, mit steigendem Marktanteil dürfte sich dies jedoch irgendwann mit Sicherheit ändern, bis dahin muss man die Web-App nutzen, falls man mit Windows-Hardware unterwegs ist.

Quelle und Bildmaterial: Scolibri

 

Alle Beiträge zum Thema:

Teil 1: Mangel an IT und Medienkompetenz in deutschen Klassenzimmern
Teil 2: EDYOU – Das Netzwerk für die Schule von morgen
Teil 3: Scolibri – Das digitale Klassenzimmer
Teil 4: Google Classroom – Hausaufgaben-Tool für Lehrer
Teil 5: Microsoft Socl – Alternatives Netzwerk zum Wissensaustausch
Teil 6: Zusammenfassung und Fazit zum Thema Vernetztes Klassenzimmer