Mangel an IT und Medienkompetenz in deutschen Klassenzimmern

Deutschland ist in Sachen IT und Digitalisierung ein eher rückständiges Land. Das ist schlecht. Schlecht für unsere wirtschaftliche Zukunft und schlecht für unsere Kinder. Einen eindrucksvollen Beleg dafür findet man, wenn man unseren öffentlichen Schulen einen Besuch abstattet und sich dort die vorhandene IT-Infrastruktur anschaut. Laut einer Erhebung zur IT-Ausstattung an Schulen, die 2008, also vor sechs Jahren, im Auftrag des Bundes durchgeführt wurde, gibt es im Durchschnitt 46 Computer pro Schule, also kommen neun Schüler auf einen Computer! In diesen Zahlen verstecken sich übrigens auch Berufsbildende Schulen, die in der Regel etwas besser ausgestattet sind in diesen Belangen.

Eine aktuelle Umfrage der BITKOM, dem Branchenverband der deutschen Informations- und Telekommunikationsbranche, gibt wieder, dass sich diese Situation bis heute kaum geändert haben dürfte. Dort gibt man an, dass etwas mehr als die Hälfte (55 Prozent) der Bundesbürger mit schulpflichtigen Kindern sagt, die technische Ausstattung an Schulen mit Computern und Internetzugängen sei mittelmäßig (31 Prozent), schlecht (17 Prozent) oder sogar sehr schlecht (7 Prozent). „Wir müssen unsere Anstrengungen erhöhen, um die Kreidezeit in unseren Schulen zu überwinden. Unsere Kinder brauchen Medien- und IT-Kompetenz  in praktisch allen  Berufen sowie im Alltag. Eine entsprechende Ausstattung der Schulen ist dazu die notwendige Voraussetzung“, sagt BITKOM-Vizepräsident Achim Berg. Der BITKOM fordert für jeden Schüler ein mobiles Endgerät wie ein Tablet oder ein Notebook sowie ein interaktives Whiteboard oder Smartboard für jeden Klassenraum. Neben der technischen Ausstattung wird in der Umfrage auch der Kenntnisstand der Lehrer rund um Computer und Internet von den Eltern mehrheitlich kritisch bewertet. Etwa jeder Zweite (52 Prozent) sagt, die Lehrer hätten in diesem Bereich nur mittelmäßiges (38 Prozent), schlechtes (9 Prozent) oder sogar sehr schlechtes (5 Prozent) Wissen. „Wir wissen, dass es viele sehr gute und sehr engagierte Lehrer im Bereich IT und Informatik gibt. Medienkompetenz muss aber ab der Grundschule in allen Fächern vermittelt werden. Systematische und verbindliche Weiterbildungsangebote sind für alle Lehrer besonders wichtig“, so Berg.

Ich für meinen Teil denke mir, es wäre gar nicht so schwer diesen Umstand schnell zu ändern. Hier ist wieder einmal die Politik gefordert, etwa mit Förderungsprogrammen oder einer Budgetänderung von Bundeshaushaltsmitteln für die IT an Schulen.

Aber auch im kleinen Rahmen kann man etwas ändern. Wenn auf den Staat kein Verlass ist, können sich Eltern und Schule zusammensetzen und erörtern, welcher finanzielle Rahmen notwendig wäre, um jeden Schüler mit Tablet oder Laptop auszustatten. Erst kürzlich hat Microsoft bekannt gegeben, dass im Herbst die ersten Windows-Tablets für 99 Dollar in den Handel kommen werden. Nach Umrechnung in Euro und der Hinzunahme der gesetzlichen Mehrwertsteuer dürften diese Tablets also auch in Deutschland um die 100 Euro kosten. Das ist gemessen an den jährlichen Kosten für neue Schulbücher gar nicht so viel. Vor allem wenn man bedenkt, dass man wegen den Tablets auch das ein oder andere Schulbuch weglassen könnte. Und so ein Tablet hält in der Regel einige Jahre, Schulbücher müssen dagegen jedes Jahr neu beschafft werden.

Die Eigeninitiative von Eltern, Schülern und Lehrern dürfte sich also in jedem Fall lohnen. Oft reicht es, wenn sich einfach jemand findet, der den Stein ins Rollen bringt, um etwas zu verändern. Und wie heißt es so gut? Fragen kostet nix …

Ein weiterer Schritt, um im Zuge der Digitalisierung unserer Schulen auch Geld zu sparen, ist der Einsatz von Netzwerken wie Scolibri oder EDYOU. In den kommenden Tagen werde ich diese Plattformen etwas näher beleuchten und einen ersten Einblick dazu verschaffen.

 

Alle Beiträge zum Thema:

Teil 1: Mangel an IT und Medienkompetenz in deutschen Klassenzimmern
Teil 2: EDYOU – Das Netzwerk für die Schule von morgen
Teil 3: Scolibri – Das digitale Klassenzimmer
Teil 4: Google Classroom – Hausaufgaben-Tool für Lehrer
Teil 5: Microsoft Socl – Alternatives Netzwerk zum Wissensaustausch
Teil 6: Zusammenfassung und Fazit zum Thema Vernetztes Klassenzimmer