Medienkompetenz – Essay über Sinn und Unsinn der Medienpädagogik

Oder: Was wir unseren Kindern für die Zukunft beibringen müssen

Für unsere Kinder ist oder wird der Umgang mit den neuen Medien eine Selbstverständlichkeit, für viele Eltern jedoch nicht. Die Kids integrieren ihre Laptops, Smartphones und/oder Tablets ganz selbstverständlich in ihren Alltag und erwerben damit wichtige Kompetenzen im Umgang mit Technik und dem World Wide Web (kurz WWW, oder auch allgemein bekannt als Internet).

Zum Verständnis: für sie ist ein Laptop so essentiell wie für uns Eltern früher der Kassettenrekorder oder später der MP3-Player.

Doch viele Eltern stellen sich deswegen  Fragen wie: “Warum sollte ich meinem Kind ein so teures Gerät überlassen? Ab welchem Alter darf mein Kind ins Internet? Braucht mein Kind überhaupt ein eigenes Handy?” Die Antwort auf all diese Fragen ist so einfach wie einleuchtend – es gibt keinen Weg vorbei an digitaler Technik und den neuen Medien. Sie haben alle Schichten unseres Alltags durchdrungen und ein Verzicht darauf ist nur noch denkbar, wenn wie zu Zeiten von Asterix “der Himmel einstürzt” oder unsere Zivilisation wieder auf Brieftauben und Rauchwolken umsteigt. Früher haben sich unsere Eltern darauf beschränken müssen, unseren Fernsehkonsum zu steuern, damit wir neben Beverly Hills 90210, Baywatch, A-Team und Glücksbärchis noch die Zeit zum Hausaufgaben machen finden oder auch mal das Haus Richtung Spielplatz und Baggersee verlassen. Das hat sich in den letzten Jahren aber gravierend verändert – die Anforderungen an eine richtige Erziehung im Rahmen der Medienkompetenz sind signifikant gestiegen.

So gut wie jeder Haushalt in der Bundesrepublik Deutschland verfügt heute über mindestens ein internetfähiges Gerät, Tendenz steigend.  Selbst in den Dritte-Welt-Ländern sind Smartphones und Handys die einzige Möglichkeit für den Kontakt zur Außenwelt. Aktuelle Zahlen sagen aus, dass es derzeit weltweit 6,6 Milliarden Mobilfunkanschlüsse gibt, bis zum Jahr 2019 soll die Zahl laut Mobility Reports des Netzwerkzulieferers Ericsson auf 9,3 Milliarden Anschlüsse wachsen. Zudem wird sich der mobile Datenverkehr über Smartphones im Vergleich zu heute verzehnfachen. Die Zahl der ausgelieferten Smartphones überstieg im Jahr 2013 die Marke von einer Milliarde verkauften Geräten. Zum Vergleich: Am Neujahrstag 2014 lebten mehr als 7,2 Milliarden Menschen auf der Erde. Das bedeutet, es wird bald mehr aktive Handys, Smartphones oder Tablets als Menschen auf der Welt geben. Im Durchschnitt hat dann Jeder ein solches Gerät in Gebrauch – selbst der Buschkrieger im somalischen Hinterland.

Diese Zahlen belegen: es gibt kein Zurück. Darum ist es wichtig, dass man als Eltern früh die Verantwortung übernimmt und die eigenen Kinder auf diese neue Welt vorbereitet.

Früher waren Markenklamotten auf dem Schulhof wichtig – heute ist es daneben vor allem ein Smartphone.

Das ist natürlich der denkbar geringste Grund, unsere Kinder mit Technik auszustatten. Es gibt aber Gründe, die wiegen weitaus mehr. Da die moderne Technik in jedem Bereich Einzug hält, wird sich beispielsweise die zukünftige Berufswelt erheblich verändern. Wenn überall Computer die Prozesse im Hintergrund steuern, muss es auch Menschen geben, die diese Prozesse überwachen und steuern. Die darauf aufbauend neue Wege finden und das alles in Programmcode umsetzen können. Etliche klassische Berufsbilder werden verschwinden und durch neue, vor allem digital aufgestellte Berufe ersetzt.

Ihr glaubt das nicht? Das Next Big Thing, welches diese neuen Berufsfelder erst erschaffen und erfordern wird, ist bereits dabei, uns ganz still und leise im Hintergrund zu unterwandern. Die Rede ist vom “Internet of Things” (kurz IoT, oder norddeutsch Internet der Dinge). Intelligente Gegenstände und Maschinen sollen uns bei unseren Tätigkeiten, ohne dass wir es bemerken, unterstützen. Beispiele sind hier die sogenannten Wearables (also beispielsweise Google Glass, die fitbit-Tracker oder Sonys Smartwatch), oder aber die neuen Multimedia-Systeme, die in den kommenden Auto-Generationen Einzug halten.

Das ist nur ein Beispiel von vielen, die unsere zukünftige Berufswelt verändern. Ein paar Anregungen für den Einzug der Digitalisierung im Berufsleben gefällig, die bereits längst Realität sind?

Ihr seht, der Umgang mit modernen Medien und digitaler Technik durchdringt alle Lebensbereiche, alle Berufsgattungen, alle Gesellschaftsschichten, alle Altersklassen. Vom Handwerker bis zum Akademiker, vom Schulkind bis zum Rentner Silver Surfer.

Quelle: Flickr / toddler apps

Was hat das alles mit Medienkompetenz zu tun?

Die modernen Medien bilden den Einstieg in diese Welt. Über diese stellen die meisten Menschen den ersten Kontakt zur digitalen Welt her. Auf der Website des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend steht zum Thema Medienkompetenz folgendes:

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Je bedeutender Medien im Alltag der Kinder und Jugendlichen werden, umso mehr steigen auch die Anforderungen an ihre Medienkompetenz. Medienkompetenz befähigt Kinder und Jugendliche dazu, Medien ihrem Alter entsprechend selbstbestimmt, verantwortungsbewusst, kritisch und kreativ zu nutzen. Medienkompetenz heißt, Angebote bewerten und die Konsequenzen von Medienkonsum einschätzen zu können.
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Doch um unseren Kindern im Rahmen der Medienerziehung den Umgang mit Medien richtig beizubringen, müssen erst wir Eltern eine Medienkompetenz entwickeln.

Man kann seinen Kindern schlecht Wissen vermitteln, über das man selbst nicht verfügt.

Es ist keine Schande, wenn man bisher kaum Kontakt hatte mit den neuen Medien. Die digitale Welt erfindet sich praktisch alle Jahre selbst neu und es dürfte kaum jemanden geben, der wirklich Schritt halten konnte mit diesen Entwicklungen. Der allumfassend über alle Neuerungen und Wirrungen der Digitalisierung genau Bescheid weiß. Aber es ist gefährlich, nicht im Ansatz darüber Bescheid zu wissen und trotzdem zu versuchen, den eigenen Kindern den nach eigenem Ermessen “richtigen” Umgang mit Medien beizubringen. Gefährlich deshalb, weil man dann mit großer Wahrscheinlichkeit entweder zu viel verbietet, oder im Gegensatz zu großen Freiraum lässt. Beides kann durch fehlende Medienkompetenz zu falschem Umgang mit Medien führen.

Hier möchte ich mit zwei fiktiven Szenarien aufzeigen, was passieren könnte, wenn Kinder mit wenig erworbener Medienkompetenz erwachsen werden:


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Sophia, 19 J.Meine Eltern haben mir im Alter von 12 Jahren meinen ersten Laptop geschenkt. Mit 14 wurde ich Opfer von Kindesmissbrauch, weil ich in einem Facebook-Chat auf einen Triebtäter hereingefallen bin. Meine Eltern haben damals kaum überwacht, was ich im Internet mache, denn ich war eh kaum online, unternahm viel mit meinen Freundinnen und benutzte den Laptop eher nur für Hausaufgaben. Ich habe daraus gelernt. Heute halte ich mich fern vom Internet. Jedoch habe ich aus diesem Grund meinen Studium abbrechen müssen, denn an einer Uni kommt man ohne digitales Grundwissen kaum noch zurecht.

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Dennis, 21 J.Ich habe gerade meine Ausbildungsstelle verloren. Grund dafür ist, dass ich zu viel Zeit vor dem Rechner mit Spielen verbracht habe und mich dafür häufig krank meldete. Als Kind durfte ich selten fernsehen und meine Eltern kontrollierten ständig, was ich im Internet mache, wenn ich denn mal den Familien-PC benutzen durfte. Vor einem halben Jahr bin ich wegen dem Ausbildungsplatz in eine andere Stadt gezogen. Dann entwickelte sich alles ganz schnell. Ich hatte keine Freunde und die Freiheit, jederzeit alles machen zu können, was ich will, hat mich dann wohl überfordert. Das Internet und die Online-Community wurden meine neuen Freunde.

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Ich gebe zu, diese zwei Beispiele sind abstrakt und extra krass gewählt, aber bestimmt dennoch in der ein oder anderen Art bereits vorgekommen. Es sind übrigens schon Leute gestorben, die beim Spielen von World of Warcraft verhungert sind. Und an einer Uni wird oft ein VPN-Zugang benötigt, um Lehrpläne und Studienfach-begleitende Unterlagen abzurufen.

World of Warcraft? VPN? Wenn Ihr euch bereits jetzt schon achselzuckend vom Bildschirm abwenden wollt, dann wird es Zeit, etwas zu ändern. Für Euch. Und vor allem für Eure Kinder. Immerhin, wenn Ihr diese Zeilen lest, dann seid Ihr bereits online und könnt offensichtlich im Internet surfen. Der Anfang ist gemacht.

Es ist nicht nur wichtig, zu wissen, was man seinen Kindern vermittelt, es ist genauso wichtig zu wissen, wie man es vermittelt.

Darum möchte ich in Zukunft nicht nur über Technik-Trends und Software-Perlen berichten, die mir wichtig erscheinen für ein gewisses Grundsatzwissen, sondern auch Methoden und Empfehlungen für eine richtige Medienerziehung darlegen.

Ich bin mir sicher, wenn unsere Kinder älter werden, werden sie uns im großen Themenbereich der neuen Medien und im Umgang mit digitaler Technik irgendwann abhängen. Auf dem Weg dorthin ist es aber unsere Pflicht als liebende Eltern, ihnen im Rahmen der Medienkompetenz einen geeigneten Weg aufzuzeigen. Damit es nicht am Ende heißt, “Mama, Papa, ihr habt mir nie gezeigt, wie das geht”. Und mal ehrlich, es ist doch viel cooler, wenn man auch einem 16-Jährigen noch Dinge beibringen kann, die er so nie in der Schule lernen würde. Oder einem Kleinkind eine Freude zu machen, indem man ihm doch mal das Handy in die Hand gibt, obwohl das in der Öffentlichkeit eher nicht so gern gesehen wird. Das geht aber nur, wenn man weiß, was man tut. Wenn man sich mit diesen neuen Möglichkeiten und Gefahren auseinandersetzt.

Alles weitere, was Ihr in Erziehungsfragen zu Medien und Technik wissen müsst oder sollt wollt, stelle ich Euch nach und nach mit kurzen Nachrichten, Links oder Artikelserien auf diesem Blog vor. Dabei achte ich natürlich darauf, dass die Dinge, über die ich hier schreibe, so allgegenwärtig sind, dass sogar die Oma Eurer Kinder versteht, worüber ich mich auslasse. [icon type=”fa fa-smile-o” color=”#fc5242″ fontsize=”20″]

Habt Ihr schon erste Fragen oder Anregungen? Dann hinterlasst mir einen Kommentar oder schreibt mir über das Kontaktformular eine kurze Nachricht.


Bildquelle Titelbild: Flickr / Marcus Kwan
Dieser Artikel ist auch in verkürzter Fassung auf Huffington Post Deutschland erschienen